Zivilgesellschaft stärker einbinden

 

In einem aktuellen Beitrag ihrer gemeinsamen Kampagne zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung, den Sie hier lesen können, setzen sich der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland e.V. (VKAD) und der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege e.V. (DEVAP) dafür ein, nachhaltige Konzepte zur stärkeren Einbindung der Angehörigenpflege und ehrenamtlich engagierter Kräfte in allen Pflege-Settings zu entwickeln.

Damit greifen beide Verbände eine Position des Netzwerkes SONG – Soziales neu gestalten – auf. Als Mitinitiator dieses Netzwerkes habe ich schon vor vielen Jahren formuliert:

„Zukunftsorientierte Pflegeheime entwickeln sich zu „Kompetenzzentren für das Wohnen und Leben älterer Menschen“: sie bauen Quartier bezogene Netzwerke auf oder beteiligen sich hieran, mit ambulanten und so genannten teilstationären Diensten, mit Vertragswechsel statt Wohnungswechsel, mit Möglichkeiten der Abwahl von Leistungen und finanzieller Erstattung bei Unterstützung durch Angehörige, mit Einrichtungen der Rehabilitation und Therapie, mit Beratung und Angeboten, bindet Kirchengemeinden, Kindertagesstätten, Schulen und andere Dienstleister ein und beteiligt Angehörige und Bürger. Das traditionelle und in die Jahre gekommene Pflegeheim wird so ein lebendiger Ort der Netzwerke und übernimmt selbst Verantwortung für das Quartier, 

oder pointiert gesagt:

Gütezeichen für die Zukunft sind: 

  • Klasse statt Masse 
  • Stadtteil statt grüne Wiese
  • Netzwerk statt Isolation
  • Wohnhaus mit individuellen Betreuungsleistungen statt vollstationäre Pflegeeinrichtung
  • Nachfrage- statt Angebotsorientierung 
  • Kleinräumige Strukturen statt Pflegebatterien 
  • Autonomie und Selbstbestimmung statt Überfürsorge und Überversorgung       
  • Ressourcen-Förderung statt Ruhigstellung
  • Alltagsnormalität durch Multiprofessionelle Teams
  • Lebensqualität statt Pflegequalität       
  • Zeit, Zuwendung, Zärtlichkeit statt Still, Satt, Sauber 

Dabei werden wir neue Wege zu beschreiten haben, die uns heute noch völlig fremd sind und auch vielleicht abstrus erscheinen mögen. Der demographische Wandel wird uns aber dazu zwingen.Fragen der Lebensqualität und der sozialen Teilhabe älterer Menschen mit Pflegebedarf und Demenz sind die zentralen Aufgaben einer sich sorgenden und solidarischen Gesellschaft, in der Familien, Nachbarschaften und Dienstleister mit Unterstützung durch Politik und Kommunen neue Formen sozialer Verantwortung entwickeln, so dass sich die Aussage:

“Hier will ich nicht rein“ 

sich umwandelt in:

“Da möchte ich leben.“

Wohnen wie gewohnt, orientiert an den Wünschen sowie Bedarfen der Menschen und bezahlbar für alle, bedarf des Willens, der Anstrengung und des Einfallsreichtums aller Beteiligten.“
(Franz J. Stoffer)

Lesen  Sie zu dieser Thematik auch das SONG-Policy-Papier
„Neu Denken – Mutig Handeln. Das Sozialmodell der Zukunft“.

Mit diesem neuen Policy Paper zeigt das Netzwerk SONG die
notwendigen Weichenstellungen für den Umgang mit den
großen Zukunftsherausforderungen wie Alterung der Gesellschaft, Pflegekräfte-Mangel, steigende Ansprüche an Inklusion
und Integration auf.

Es verdeutlicht, dass das Drehen an einzelnen Stellschrauben nicht
mehr genügt. Stattdessen ist die Bündelung und Vernetzung
sämtlicher Ressourcen und Potenziale der verschiedenen
gesellschaftlichen Akteure erforderlich.

Mit sechs Prinzipien werden die für den notwendigen Wandel
entscheidenden Haltungen beschrieben und an Praxisbeispielen erläutert.
Ferner wird aufgezeigt, welche politischen Weichenstellungen erforderlich sind.

Hier finden Sie den Link zu diesem Papier.