Pflege anders denken! Was sich ändern muss!

Seit 40 Jahren kämpfe ich für eine Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation älterer Menschen mit Pflegebedarf oder mit einer Demenz sowie der Optimierung der Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende in der Pflegebranche. 

In dieser Zeit entstand ein Sozialunternehmen, das in der Szene Vorreiter für innovative Wohn- und Pflegekonzepte war und mehrfach als Bester Arbeitgeber im Gesundheitswesen ausgezeichnet wurde.

Besondere Kennzeichen dieses Unternehmens waren

    • Einzigartige Konzepte wie Hausgemeinschaften in „Reinkultur“,
    • Weiterentwicklung der Heime zu Bürgerzentren im Quartier,
    • Werte-Orientierte Führungs- und Unternehmenskultur,
    • die Organisation vom „Kunden“ aus denken,
    • konsequente Herab-Stufungen bei Pflegeerfolgen, 
    • Abwahl von Leistungen mit Vergütung an Angehörige, wenn diese Unterstützungsleistungen erbrachten, 
    • eine hundertprozentige Besetzung der Personalschlüssel, 
    • gerechte und tarifliche Eingruppierung aller Mitarbeitenden ohne Servicegesellschaften zu gründen, 
    • Offenlegung der Bilanzen für Bewohner, Mitarbeitende und Öffentlichkeit, 
    • Aufbau eines eigenen Pflege-Controlling mit Veröffentlichung der Ergebnisse, 
    • Vernetzung der Häuser in die Gemeinden, 
    • Beteiligung von Bürgern und Ehrenamtlichen,
    • Widerstand gegen den „Pflege-TÜV „Stop den Pflegenoten“,
    • und vieles andere mehr.
      Lesen Sie hierzu auch meinen Beitrag 40 Jahre CBT

Dies alles gelang auf Basis einer wertorientierten Unternehmens- und Führungskultur mit offener Kommunikation, Transparenz, Beteiligung und Vertrauen. Führungskräfte und Mitarbeitende machten sich die Konzepte zu eigen und lebten sie glaubwürdig. Richtlinie des pflegerischen Handelns war das christliche Menschenbild mit der Unverletzlichkeit der Würde jedes einzelnen. Hierbei war die Charta der Rechte pflegebedürftiger Menschen mit ihren acht Artikeln 

    • Selbstbestimmung und Hilfe zur Selbsthilfe, 
    • Privatheit, 
    • Körperliche und seelische Unversehrtheit, 
    • Freiheit und Sicherheit
    • Pflege, Betreuung und Behandlung, 
    • Kommunikation, Wertschätzung und Teilhabe an der Gesellschaft, 
    • Religion, Kultur und Weltanschauung und
    • Palliative Begleitung, Sterben und Tod

Leitlinie und Kontrollinstrument für die tägliche Praxis.

Warum, so frage ich mich, gelingt es nicht, derartige erfolgreiche Konzepte nachhaltig in der Fläche umzusetzen oder auch beizubehalten? Warum hat sich bei allem Bemühen so wenig zum Positiven verändert? Warum haben Pflegeheime nach wie vor ein derartiges Negativimage, dass sie von der Mehrzahl der Bevölkerung abgelehnt werden? Jeder achte Deutsche möchte lieber sterben als in ein Pflegeheim zu ziehen. Warum prägen nach wie vor Berichte über pflegerische Defizite das Bild?

Auch wenn ich weiß, welcher Aufschrei der Entrüstung reflexartig aus der Pflegebranche kommt, benenne ich trotzdem an dieser Stelle Beispiele menschenunwürdigen Handelns, die keine Einzelbeispiele sind, um dann auf die obigen Fragen Antworten zu suchen.

So werden Zwangsmaßnahmen bei „störendem“ Verhalten nicht selten in diesen Situationen mit der Fürsorge für diese Personen und deren Wohl gerechtfertigt.

Bei Pflegekräften besteht zudem die Furcht, dafür verantwortlich gemacht zu werden, wenn ein pflegebedürftiger Mensch, zum Beispiel durch einen Sturz, Schaden nimmt, der durch ein Bettgitter hätte verhindert werden können.

Dadurch kommt es oft zu Anwendung von freiheitsentziehenden Maßnahmen (Bettgitter, Gurte, Vorenthalten von Gehhilfen, Abschließen von Zimmertüren und andere mechanische oder medikamentöse Fixierungen) oder zu zwangsweise durchgesetzten Pflegehandlungen, „weil man es gut meint“.

Beispiele hierfür sind das Aufnötigen eines veränderten Ernährungs- und Trinkverhaltens, das nicht den eigenen Gewohnheiten beziehungsweise Bedürfnissen entspricht oder forcierte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme.

Ethisch bedenkliche Entscheidungen sind auch Ernährungssonden und das Anlegen von Blasenkatheter, um Pflegezeit einzusparen u.a.

Wer ist für diese Zustände eigentlich verantwortlich: Gesellschaft und Politik? Die institutionellen Strukturen? Träger und Führungskräfte oder die Mitarbeitenden?

Verantwortung der Politik + Gesellschaft

Die Politik hat in den letzten 30 Jahren nur von Wahl zu Wahl gedacht und hat es längst versäumt, vor dem Hintergrund des seit Jahren bekannten demographischen Wandels eine langfristige nachhaltige Strategie mit entsprechenden Rahmenbedingungen im Hinblick auf neue Modelle und Konzepte, Ausbildungsplätze, Finanzierung, Personalschlüssel u.a. zu entwickeln.

Daran ändern auch nichts die jüngsten Ergebnisse der Konzertierten Aktion Pflege. Demnach sollen sich die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte schnell und spürbar verbessern. Das ist Ziel der Konzertierten Aktion Pflege, die unter der Leitung der Minister Giffey, Heil und Spahn jetzt ihre Ergebnisse vorgelegt hat. 

Danach soll bundesweit nach Tarif bezahlt, ein am Bedarf orientierter Personalschlüssel eingeführt, die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte beschleunigt und die Zahl der Auszubildenden und Ausbildungseinrichtungen gesteigert werden. Hierzu möchte ich am liebsten laut rufen: ENDLICH!

Doch die vorgesehenen Maßnahmen kommen meines Erachtens viel zu spät. Wir haben schon lange kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Die Politiker tun jetzt so, als sei der Pflegenotstand plötzlich über uns hereingebrochen. 

Doch bereits vor 15 Jahren habe ich formuliert: „Wenn die Politik in der Pflege weiterhin mit der ruhigen Hand agiert, dann müssen wir demnächst zu Pflegende exportieren, weil wir keine Pflegenden mehr haben.“

Alles, was jetzt umgesetzt werden soll, habe ich bereits als Geschäftsführer der CBT seit vielen vielen Jahren eingefordert, angefangen bereits vor 28 Jahren mit meinem Beitrag: „Pflegenotstand –  die Situation wird bedrängend. Bricht die Pflege zusammen, weil die Personalschlüssel nicht ausreichen?“ Dieser Beitrag, erschienen in der Zeitschrift Altenpflege 7/1991, den Sie  hier noch einmal nachlesen können, endete mit meiner Forderung: 

„ES MUSS SOFORT GEHANDELT WERDEN!

In diesem Beitrag habe ich die tägliche personelle Unterbesetzung von circa 30 Prozent in der Pflege nachgewiesen und öffentlich kommuniziert. Und dies ist der eigentliche Skandal. Es ist seitdem in dieser Hinsicht nichts geschehen. Die Pflegenden wurden von der Politik im Stich gelassen. Die 13 Tausend  neuen Stellen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wobei bis heute hiervon keine einzige Stelle besetzt ist! Nötig sind jedoch mindestens 45 Tausend zusätzliche Mitarbeitende. Und wo sollen diese jetzt auf einmal herkommen?“

Wieder einmal haben unzählige Experten in Arbeitsgruppen zusammen gesessen und Ergebnisse produziert, die seit Jahrzehnten bekannt sind. Dieses Geld hätte man besser direkt in die Pflege stecken sollen. Die deutsche Politik sollte sich schämen, dass eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen seit Jahrzehnten so stiefmütterlich behandelt wird.

Es wäre in all den Jahren so leicht gewesen, in jedem Heim diese personelle Lücke von ca. 30 Prozent zu füllen. Dann wären nicht die heutigen Belastungen, Arbeitsverdichtungen, Burnout, Flucht aus der Pflege, die permanente Unzufriedenheit und das Negativ-Image sowie die zahlreichen Mängel in der Pflege und Versorgung älterer Menschen mit Pflegebedarf oder Demenz entstanden. Meine jahrelangen Hinweise und Appelle an Politik und Verbände sind immer wieder ins Leere gelaufen.

Verantwortung von Verbänden, Trägern, Führungskräften und Mitarbeitenden

Neben der personellen Unterbesetzung gibt es weitere zahlreiche Problemfelder, die nicht als Alibi auf die Politik abgewälzt werden können, weil Verbesserungspotenziale in der Verantwortung von Verbänden, Trägern, Führenden und Mitarbeitenden selbst liegen. Ich will nur einige kurz skizzenhaft aufzählen:

Die Pflegebranche spricht nicht mit einer Stimme. Verbände, leider auch Wohlfahrtsverbände, haben sich mit den Pflegekassen und der Politik „arrangiert.

Die Pflegenden selbst sind überwiegend immer noch nicht professionell genug, klagen und jammern, statt die Macht der Pflege zu begreifen, selbstbewusster aufzutreten und die Erfolge ihrer Arbeit öffentlich zu kommunizieren. Dazu zählen die wiedergewonnene Autonomie des Bewohners, die erhaltene oder neue Lebensfreude, das „Überflüssig-Machen“ lebenseinschränkender Maßnahmen, das Aufrechterhalten sozialer Netzwerke des Bewohners, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, das Verhindern von Risiken oder die Absenkung der Pflegestufe in Folge guter fachlicher Arbeit.

So entwickeln Mitarbeitende Stolz auf die eigene Arbeit und erreichen damit auch eine andere, verbesserte gesellschaftliche Anerkennung.

Pflege muss endlich anders gedacht werden, damit Heime einen besseren Stellenwert in unserer Gesellschaft erhalten. Doch viele Träger sind immer noch „träge“ und tragen nicht. Missstände und Frustration sind in der Regel dort vorzufinden, wo es keine werteorientierte Führungs- und Unternehmenskultur gibt. Wie man innen miteinander umgeht, wird man auch von außen wahrgenommen. Was Unternehmen bei Mitarbeitern falsch machen, können sie beim Kunden nicht besser machen. Wer ein schlechter Arbeitgeber ist, disqualifiziert sich auch als Anbieter. Denn nur zufriedene Mitarbeiter können auch gute Gastgeber sein.

Die Folgen mangelnder gesellschaftlicher und auch unternehmensinterner Anerkennung sind dramatisch: Fachkräftemangel, hohe Fluktuation und schwacher Marktwert der Dienstleistung.

Doch in der modernen Arbeitswelt ist Wertschätzung eine Schlüsselgröße für Qualität, Innovation, wirtschaftlichen Erfolg sowie Gesundheit und Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Anerkennung von außen, stolz auf die eigene Leistung und eine wert-schätzende Unternehmens- und Führungskultur durchbrechen diesen Teufelskreis.

Träger, Geschäftsführung und Heimleitungen tragen hier eine große Verantwortung, jeden Tag dafür Sorge zu tragen, dass die Würde des Menschen – der zu Pflegenden und der Mitarbeitenden – in keiner Situation verletzt wird. 

Doch auch Mitarbeitende haben ebenso eine solche Verantwortung, wenn sie Missstände sehen und die Augen verschließen. Dann machen sie sich mitschuldig. Denn Pflegende müssen Anwälte der älteren Menschen sein und sich bewusst machen, dass ihr Handeln ethische Werte berührt.

So vertrauen sich ältere Menschen Pflegenden an. Vertrauen stellt schon für sich alleine einen Wert dar. Weiterhin können Pflegehandlungen dem Menschen helfen, sie können ihm aber auch schaden. Die Integrität des menschlichen Lebens also ist ein zentraler Wert. Und schließlich haben wir es in der Pflege immer öfter mit Grenzsituationen der menschlichen Existenz zu tun, in denen die Erhaltung eines würdevollen Lebens mehr und mehr zur Aufgabe wird. Damit ist die Würde des Menschen ein zentraler Grundwert in der Ethik.

Für Pflegende wäre es also ein großer Gewinn, wenn sie sich regelmäßig vor Augen führen könnten, in welchem Umfang sie mit ihrer Arbeit auch zur Verwirklichung von Werten beitragen und welche Bedeutung ihr Handeln in der Wertordnung des anderen Menschen, ihrer selbst und damit der Menschheit besitzt.

Künftig wird immer deutlicher die Frage gestellt werden müssen, wer soll in einen Beruf gehen, in dem zahlreiche charakterliche Tugenden notwendig sind, zum Beispiel Respekt vor dem Leben und der Willensfreiheit des Menschen sowie die Fähigkeit, besonnen zu handeln und zu urteilen. Gerade die Unterstützung und Begleitung von Menschen in Grenzsituationen erfordert ein hohes Maß an Empathie-Fähigkeit. 

Daher ist der Pflegebereich angewiesen auf Menschen mit hoher menschlicher und fachlicher Kompetenz.

Fazit

Für eine gute Strategie zur Lösung des heutigen und grösser werdenden Pflegenotstandes reichen einzelne Maßnahmen oder Drehen an Stellschrauben im System nicht mehr aus.

Notwendig ist ein Paradigmenwechsel, eine radikale Umsteuerung unserer Pflegepolitik und eine neue Kultur des Miteinanders der Generationen im Sozialraum und des Zusammenhalts in der Gesellschaft im demographischen Wandel.

Wir müssen wegkommen von herkömmlichen Heimen „von der Stange“ ohne Bezug zum Sozialraum, hin zu flächendeckender systematischer Förderung von Quartierkonzepten mit Einbindung von Familien, Nachbarn und Bürgern und Aufbau von Kümmerer- und Vernetzungsstrukturen. 

Sozialräumliche Konzepte, wie inklusive Quartierprojekte, Mehrgenerationenhäuser, soziale Stadtprojekte, Gemeinschafts-Wohnprojekte u.a. haben gezeigt, wie vor Ort Engagement und Gemeinschaftlichkeit wirksam gefördert werden können. Gemeinwesenarbeit und Quartiermanagement ist hierbei ein zentrales Instrument. Auf diese Weise können im jeweiligen Wohnquartier zwischen Zivilgesellschaft und Professionellen neue, tragfähige Sorge-Settings entwickelt werden.

Pflegende Angehörige sind auch finanziell und im Sinne von Beratung stärker zu unterstützen. Gesundheitsfördernde und präventive Angebote für ältere Menschen und Pflegende müssen ausgebaut werden.

Das Personal-Marketing als wichtiger Schlüssel gegen die derzeitige Personalmisere mit den drei Aspekten „Finden, Fördern und Binden“ muss von den Unternehmen weiter ausgebaut werden. Heime müssen Fach- und Führungskräfte stärker selbst ausbilden, Kooperationen mit Schulen eingehen, Praktika anbieten und das Berufsfeld Pflege öffentlich stärker kommunizieren.

Weitere notwendige Massnahmen sind: Individuelle Personalentwicklung, Förderung von Talenten und Stärken, Klare Aufgaben- und Kompetenzregelung. Aufgaben- und Kompetenzprofile der Fachkräfte sind zu schärfen, die vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels eine mehr steuernde Funktion einnehmen. Warum eigentlich wird kein Mitarbeiter für allgemeine Verwaltungsaufgaben in der Pflege eingestellt, der die zeitraubenden Telefonate mit Arztpraxen, Krankenhäusern u.ä. übernimmt und so die Pflegenden enorm entlastet. 

Arbeitsbedingungen sind weiter zu verbessern: Wertschätzung, Beteiligungen, Bezahlung – nur 59 Prozent der Pflegenden werden nach Tarif bezahlt -, kürzere Dienstzeiten, nicht elf Tage am Stück! Flache Hierarchien, mehr Autonomie und Verantwortung für einzelne Mitarbeitende sowie Rückkehr-Programme für die vielen 1000 Mitarbeitenden, die der Pflege verloren gehen.

Die Fachkraftquote ist endlich zu überdenken und nicht wie eine heilige Kuh zu behandeln: weg von einer quantitativen hin zu einer qualitativen Fachkraftquote entsprechend den Bedarfen der Bewohner unter Einbeziehung anderer Berufsgruppen wie Hauswirtschaft, Therapeuten, Sozialpädagogen und andere.

Pflege ist nach wie vor zu sehr medizinisch orientiert. Doch gute Pflege umfasst das Wohnen und die soziale Teilhabe, also die Lebensqualität des Einzelnen. Daher muss die Versorgung älterer Menschen mit Pflegebedarf künftig stärker von professionellen Diensten verschiedener Disziplinen geleistet werden. 

Dies führt zu einer neuen Definition der Fachkraftquote, die dann nicht nur Pflegefachkräfte, sondern weitere professionelle Fachkräfte umfasst. Auf diese Weise gewinnt man statt quantitativer eine qualitative Fachkraftquote unter Einbeziehung weiterer Professionen und begegnet so gleichzeitig dem Mangel an Pflegefachkräften wirkungsvoll.

Zudem muss für eine verantwortungsvolle pflegerische Versorgung in Zukunft stärker differenziert werden zwischen Pflegefachkraft, Pflegekraft und Pflegehilfskraft. Mit entsprechenden Aufgaben- und Kompetenzprofilen begegnet man so ebenfalls dem personellen Bedarf.

Ein Einwanderungsgesetz muss den Zuzug von ausländischen Fachkräften vereinfachen.

Und schliesslich: Wir können nicht immer nur weitere Pflegeheime bauen, erst recht nicht als Renditeobjekte, die niemand will und für die es keine Fachkräfte gibt. Auch wenn Pflegeheime weiterhin erforderlich sein werden, kann die Lösung für die Pflege älterer Menschen nur darin bestehen, dass die Hilfe zur Selbsthilfe gefördert wird mit bezahlbaren haushaltsnahen Dienstleistungen, einem flächendeckenden Beratungsangebot, mit ambulanter pflegerischer Versorgung, einem Quartiermanagement oder der früheren „Gemeindeschwester. 

Innovative und radikale Veränderungen sind notwendig, aber auch möglich, wie das Pflegemodell von Buurtzorg – übersetzt Nachbarschaftshilfe -, einem Start Up Unternehmen aus den Niederlanden zeigt. Buurtzorg steht für ein ambulantes Pflegesystem, das den Patienten und Pflegebedürftigen ein eigenständiges Leben ermöglicht und ihre Selbstfürsorge aktiv fördert. Das Besondere ist aber auch, dass dieses System den Pflegenden ein hohes Maß an Eigenverantwortung überträgt.

Wenn möglichst viele Ältere sich auf ihre Stärken besinnen, ihre Potenziale und Ressourcen einbringen können und ihr Sozialraum intakt bleibt, kann der Pflegenotstand gelindert, vielleicht sogar verhindert werden.