120000 Pflegekräfte fehlen

Ein Gutachten im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums hat ergeben, dass derzeit 120.000 zusätzliche Pflegekräfte nötig wären, um die Pflegebedürftigen in Pflegeheimen angemessen zu betreuen. Demnach müsste die Zahl der Pflegekräfte von jetzt 320.000 auf 440.000 erhöht werden, was jährlich rund vier Milliarden Euro zusätzlich kosten würde. Um die hohe Arbeitsbelastung des Pflegepersonals zu senken, müsste sich dem Gutachten zufolge auch der Personalschlüssel ändern: Eine Pflegekraft sollte im Schnitt nur noch 1,8 Patienten versorgen statt bisher 2,5. Das Gutachten stellt fest, dass die Personalschlüssel um 36 Prozent angehoben werden müssten.

Dies ist traurig, aber noch mehr beschämend. Denn bereits 1991 – also vor 29  Jahren . habe ich in einer eigenen Untersuchung eine tägliche personelle Unterbesetzung von 30 Prozent nachgewiesen. Und dies ist der eigentliche Skandal. Es ist seitdem in dieser Hinsicht nichts geschehen. Die Pflegenden wurden von der Politik im Stich gelassen. Es wäre in all den Jahren so leicht gewesen, in jedem Heim diese personelle Lücke von ca. 30 Prozent zu füllen. Nur zwei bis drei Mitarbeitende je Pflegegruppe und Heim mehr – es mussten keine Fachkräfte sein – dann wären nicht die heutigen Belastungen, Arbeitsverdichtungen, Burnout, Flucht aus der Pflege, die permanente Unzufriedenheit und das Negativ-Image sowie die zahlreichen Mängel in der Pflege und Versorgung älterer Menschen mit Pflegebedarf oder Demenz entstanden. Meine jahrelangen Hinweise und Appelle an Politik und Verbände sind immer wieder ins Leere gelaufen.

Und wo sollen die jetzt festgestellten 120.000 zusätzlichen Pflegekräfte auf einmal herkommen? Der Pflegemarkt ist leer gefegt. Die Pflegepolitik der letzten Jahre ist damit total gescheitert.

Es muss nun schnellstens ein Instrument der Personalbemessung eingesetzt werden, das sich an den tatsächlichen Bedarfen älterer Menschen mit Pflegebedarf ausrichtet und darüberhinaus in Verbindung mit höheren Vergütungen und besseren Arbeitsbedingungen. Dann werden „geflüchtete“ Pflegekräfte -eventuell – zurück kommen und neue Mitarbeitende  können erfolgreich gewonnen werden. Das wäre die Lösung, die ich seit vielen Jahren fordere. Alle halbherzigen „Reförmchen“ sind gescheitert und bringen uns nicht weiter. Klar ist aber auch, dass die Neugestaltung der Personalbemessung teuer wird. Dazu muss ergänzend eine Pflege-Finanzreform her, die aus Steuermitteln gestützt wird!

Lesen Sie hierzu auch meine Artikel

„Pflegenotstand: Warum ändert sich nichts? Und was muss ich ändern?“    

und auch

„Die Situation wird wird bedrängend -Bricht die Pflege zusammen, weil die Personalschlüssel nicht ausreichen? “, Altenpflege 7/91, den Sie  hier lesen.

sowie den Beitrag in der ÄrzteZeitung vom 25.2.2020

„Mehr Assistenzkräfte für Pflegeheime“