Sind Heimbewohner doch Insassen? 

Es ist nicht zu fassen: es gibt immer noch Heime, die ihre Bewohner eingeschlossen und bis heute noch keine individuellen Besuchskonzepte erarbeitet haben. So berichten die Medien vom Schicksal eines 84-jährigen Mannes, der seit Wochen seine an Demenz erkrankte Frau nicht besuchen konnte. Mit Tränen in den Augen gibt er auf einer Demonstration ein Interview. Dort wird er von Demonstranten niedergebrüllt. Sein Schicksal bewegt viele. 

Es wird von absurden Hygienekonzepten mit derart verrückten Auflagen berichtet, dass mancher Bewohner seine Angehörigen gar nicht erkennt auf die Distanz mit Mundschutz und noch einer Glasscheibe dazwischen. 

Dies alles macht mich traurig und wütend. In meinem Beitrag “ Gefangen im Pflegeheim?“ habe ich hierzu deutlich Stellung bezogen.

Vor Corona wurde verschiedentlich – immer noch – statt von Heimbewohnern von Insassen gesprochen. Seit Corona sind aus vielen Heimen offensichtlich Gefängnisse geworden.

Die Pflegeethik Initiative beschreibt in ihrem Pflege Prisma vom 19. Mai 2020 viele Einzelbeispiele und stellt fest:

„Im Grunde beruhen alle Schutzmaßnahmen auf einem Hygieneverständnis, das den Infektionsschutz vor Covid-19 über alles stellt; ungeachtet der Schäden und Toten die dadurch an andere Stelle entstehen.   Die ursprüngliche Bedeutung von Hygiene (grichisch. Hygieia = Gesundheit) umfasst hingegen alles, was der Gesundheit dient.  Sowohl der WHO als dem RKI  muss vorgeworfen werden, bei ihren Empfehlungen zur Eindämmung von Seuchen,  mögliche Kollateralschäden nicht im Blick zu haben.  Da sich alle Nationen an den Empfehlungen dieser Institutionen  orientiert haben,  trifft sie auch die Hauptkritik an dem desaströsen Ergebnis.  Man kann nur hoffen, dass daraus die richtigen Lehren gezogen werden, damit sich so etwas nicht wiederholt.  Zum Vergleich sei hier an die Situation 2009 mit der Schweinegrippe erinnert, aus der leider nichts gelernt wurde.

Aber auch die Ärzte in den Kliniken und Gesundheitsämtern sollten ihr ärztliches Ethos überprüfen und sich den hippokratischen Grundsatz:  „Primum nihil nocere – zuerst nicht schaden“, vergegenwärtigen.

Die Besuchsverbote in den Heimen wie in den Krankenhäusern  gefährden nicht nur die Gesundheit und das Leben der Kranken, sie sind unmenschlich. Vorordnete Grausamkeit. So etwas dürfte es in einer zivilisierten Gesellschaft gar nicht geben.“

Diese Traueranzeige sagt alles aus.