Aussagen HALTUNG / ETHIK

AUSSAGEN ZU HALTUNG / ETHIK

„Ethische Grundorientierung heißt, dass ich mein Handeln nicht nur fachlich, sondern auch sittlich begründe. Denn die Notwendigkeit der sittlichen Begründung ergibt sich in jenen Situationen, in denen Werte berührt werden.
Dies ist in der Altenpflege in vierfacher Hinsicht der Fall: Menschen vertrauen sich mir an. Vertrauen stell schon für sich alleine einen Wert da. Meine Handlungen können dem Menschen helfen, sie können ihm aber auch schaden. Die Integrität des menschlichen Lebens ist also ein zentraler Wert. Immer öfter haben wir es in der Pflege mit Grenzsituationen der menschlichen Existenz zu tun, in denen die Erhaltung eines würdevollen Lebens mehr und mehr zur Aufgabe wird. Also: die Würde des Menschen als ein zentraler Grundwert der Ethik. Und schließlich geht es die Frage Gerechtigkeit: in wie weit werden die Bedürfnisse älterer Menschen bei der Verteilung von Ressourcen der Sozialsysteme sowie bei der Gestaltung der kulturellen, der infrastrukturellen und der rechtlichen Umwelt berücksichtigt?“


„Pflege ist kein Produkt, das auf Angebot und Nachfrage reagiert. Wenn Pflege als marktfähige Leistung angesehen wird, die man kaufen oder verkaufen kann oder auf das kostengünstigste Waschen des Körpers, die effektive Verteilung von Medikamenten und das Hinstellen des Essens reduziert wird, dann nimmt man ihr den menschlichen Charakter Altenpflege ist immer auch Beziehung. Sie wird geprägt von Geben und Nehmen, von menschlicher Anteilnahme, von Vertrauen, von einer anspruchsvollen Begegnung zwischen zwei Menschen. Hier sind Tugenden gefragt wie Verlässlichkeit, Beständigkeit, Empathie, Gelassenheit ja und auch Humor.“


„Stets gilt das Grundprinzip: im Mittelpunkt steht der ältere Mensch. Es zählen größtmögliche Normalität, Teilhabe, die Sicht der Wirklichkeit und die Erlebniswelt der Bewohner, aber nicht die subjektive Betrachtung von Mitarbeitenden.“


„Menschen mit Pflegebedarf oder Demenz sind und bleiben Persönlichkeiten. Mitarbeitende gehen mit ihnen bedeutungsvolle Beziehungen ein und beteiligen sie so umfassend wie möglich am  Alltagsgeschehen des Heimes. Mitarbeitende, die so arbeiten können, sehen die Erfolge ihrer Arbeit täglich und motivieren sich hierdurch selbst. So prägen nicht Krankheiten und Beeinträchtigungen, sondern Würde, Autonomie, Teilhabe, Normalität, Genuss, Freude, Schönheit und Spiritualität den Alltag.“


„Altenpflege ist nach wie vor zu sehr ausgerichtet auf ein medizinisches Denk- und Handlungsmodell und zu stark von festen Strukturen eingegrenzt. Die vorrangige Orientierung an Krankheiten, Diagnosen und Defiziten führt bei Bewohnern zwangsläufig zu den drei Seuchen „Einsamkeit, Hilflosigkeit und Langeweile“ sowie bei den Mitarbeitenden zu „Demotivation, Gefühl der Ohnmacht, ausgebrannt sein und Flucht aus dem Beruf“.


„Das Grunddefizit in der Altenpflege ist seit 25 Jahren bekannt. Die Personaldecke ist viel zu knapp, um eine angemessene und individuelle Pflege zu gewährleisten. Eine permanente personelle Unterbesetzung von täglich circa 20 Prozent –  dies habe ich bereits 1990 in einer Untersuchung ermittelt, veröffentlicht und politisch für Veränderungen geworben –  bedeutet eine grössere Arbeitsdichte und birgt das Risiko körperlicher und psychischer Überbelastung mit der Folge eines hohen Krankenstandes. Nur 1 bis 2 Mitarbeitende je Pflegedienst und -gruppe mehr – es müssen keine Fachkräfte sein, weil die Fachkraft-Quote gesetzlich vorgegeben ist – würde die äußerst belastende und unverantwortliche Situation sofort und spürbar verbessern helfen. Tatsache ist, dass bei einer normalen Besetzung im Frühdienst 3 Mitarbeitende für circa 30-35 Bewohner zur Verfügung stehen. Wie soll auf diese Weise, wenn Mitarbeitende täglich am Limit arbeiten, gute und individuelle Pflege gewährleistet sein?
Diese völlig inakzeptable Situation dramatisiert sich weiterhin, wenn bei krankheitsbedingten Ausfällen auch über die Zeitarbeit keine Mitarbeitende mehr geordert werden können. Und die Überleitung der Pflegestufen in Grade und damit die übergeleiteten Pflegeschlüssel tragen ihr Übriges dazu bei: die Mitarbeiterzahl nimmt durch das Absinken der Pflegegrade noch zusätzlich ab.
Will eine der reichsten Gesellschaften dieser Welt eine derartige unwürdige und unmenschliche Situation weiterhin verantworten?“

 


„Wir brauchen in unserem Land eine radikale Bewusstseinsänderung und keine weitere System-Flickschusterei. Wenn wir auch in der Pflege mit der Politik der „ruhigen Hand“ weiter abwarten, dann müssen wir demnächst pflegebedürftige Menschen in andere Länder exportieren, weil es bei uns keine Pflegenden mehr gibt. Dafür haben wir dann den Metro-Rapid, um mit den Alten schneller zum Flughafen zukommen.“


„Und so rufe ich alle Pflegenden auf: seien Sie selbstbewusster. Legen Sie die jammernde Opferrolle ab oder die Rolle der selbstlos Dienenden und demonstrieren Sie glaubwürdig ihre Professionalität.“


„Doch die Einstellung muss sich insgesamt ändern. Hierbei gilt es, gerade in Sozialunternehmen, zwei typische, ansteckende und damit gefährliche Viren auszurotten: „Jammern und Klagen“ und „Nicht- Zuständig-Sein“. Das Klagen fördert auch eine Art von Dienstgemeinschaft. Wer jammert ist nie allein, findet immer Kolleginnen und Kollegen, die sich gerne freiwillig anstecken lassen. Doch dies ist Energieverschwendung. Nutzbringender ist es, brauchbare Veränderungsvorschläge zu machen.“


„Hierbei ist ganzheitliches Denken eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg. Ganzheitliches Denken heißt, an das Ganze denken, seinen Beitrag zum Ganzen leisten, wie bei einem Orchester, wo jedes einzelne Instrument zum Gelingen der Sinfonie seinen Beitrag leistet. Hieran krankt es in vielen Sozialunternehmen noch gewaltig. Der Grund für den Missklang: viele Orchester, dieselbe Konzerthalle, aber es werden verschiedene Melodien gespielt.“


Doch Pflege ist eine hoch anspruchsvolle, komplexe und für unsere älter werdende Gesellschaft eine überaus wichtige und wertvolle Tätigkeit, die allerdings auch gerade deshalb besser vergütet werden muss.
Pflegende müssen die Macht der Pflege begreifen, in der Politik mitreden,  sich informieren. Denn wer nichts weiß, muss alles glauben. Dies setzt allerdings voraus dass sich Pflegende als wertvoll, wichtig und kompetent fühlen. Sie müssen lernen, die Erfolge ihrer Arbeit öffentlich zu kommunizieren, ihren Beruf stärker wert zu schätzen, ihn zu lieben.
Liebe zum Beruf bedeutet Liebe zum alten oder kranken Menschen, Liebe zu Menschen überhaupt.“


„Die Einmaligkeit jedes einzelnen Menschen begründet seine Würde, die unantastbar und universal ist und von Schöpfungsakt bis über den Tod hinaus gilt. Eine Würde, die unverfügbar ist, die oft missachtet und verletzt, nicht aber aufgehoben und zur Disposition gestellt werden darf. Der Fingerabdruck zeigt uns diese Einmaligkeit und die unantastbar Würde eines jeden Menschen. Einmalig bin ich unter Milliarden .“


„Weder Gesundheitsreform nach Normen, sondern zuerst die Haltung des Trägers, der Führungskräfte und Mitarbeiter ihren „Kunden“ gegenüber wird die Zukunft der Müttergenesungs-Angebote bestimmen. Das „Wie“ der Dienstleistung, ihr besondere Geist und die Freundlichkeit der Mitarbeitenden sind in den katholischen Einrichtungen der Mütter- Genesung bestimmend. In den katholischen Häusern müssen die unver- äußerliche Würde und Gleichwertigkeit allen Lebens, Solidarität, Gemeinschaft, Toleranz und mitfühlendes Verstehen die Arbeit prägen, unabhängig von Zeit oder Geld.“

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