Pflege anders denken! Was sich ändern muss!

Seit 40 Jahren kämpfe ich für eine Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation älterer Menschen mit Pflegebedarf oder mit einer Demenz sowie der Optimierung der Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende in der Pflegebranche. 

In dieser Zeit entstand ein Sozialunternehmen, das in der Szene Vorreiter für innovative Wohn- und Pflegekonzepte war und mehrfach als Bester Arbeitgeber im Gesundheitswesen ausgezeichnet wurde.

Besondere Kennzeichen dieses Unternehmens waren

    • Einzigartige Konzepte wie Hausgemeinschaften in „Reinkultur“,
    • Weiterentwicklung der Heime zu Bürgerzentren im Quartier,
    • Werte-Orientierte Führungs- und Unternehmenskultur,
    • die Organisation vom „Kunden“ aus denken,
    • konsequente Herab-Stufungen bei Pflegeerfolgen, 
    • Abwahl von Leistungen mit Vergütung an Angehörige, wenn diese Unterstützungsleistungen erbrachten, 
    • eine hundertprozentige Besetzung der Personalschlüssel, 
    • gerechte und tarifliche Eingruppierung aller Mitarbeitenden ohne Servicegesellschaften zu gründen, 
    • Offenlegung der Bilanzen für Bewohner, Mitarbeitende und Öffentlichkeit, 
    • Aufbau eines eigenen Pflege-Controlling mit Veröffentlichung der Ergebnisse, 
    • Vernetzung der Häuser in die Gemeinden, 
    • Beteiligung von Bürgern und Ehrenamtlichen,
    • Widerstand gegen den „Pflege-TÜV „Stop den Pflegenoten“,
    • und vieles andere mehr.
      Lesen Sie hierzu auch meinen Beitrag 40 Jahre CBT

Dies alles gelang auf Basis einer wertorientierten Unternehmens- und Führungskultur mit offener Kommunikation, Transparenz, Beteiligung und Vertrauen. Führungskräfte und Mitarbeitende machten sich die Konzepte zu eigen und lebten sie glaubwürdig. Richtlinie des pflegerischen Handelns war das christliche Menschenbild mit der Unverletzlichkeit der Würde jedes einzelnen. Hierbei war die Charta der Rechte pflegebedürftiger Menschen mit ihren acht Artikeln 

    • Selbstbestimmung und Hilfe zur Selbsthilfe, 
    • Privatheit, 
    • Körperliche und seelische Unversehrtheit, 
    • Freiheit und Sicherheit
    • Pflege, Betreuung und Behandlung, 
    • Kommunikation, Wertschätzung und Teilhabe an der Gesellschaft, 
    • Religion, Kultur und Weltanschauung und
    • Palliative Begleitung, Sterben und Tod

Leitlinie und Kontrollinstrument für die tägliche Praxis.

Warum, so frage ich mich, gelingt es nicht, derartige erfolgreiche Konzepte nachhaltig in der Fläche umzusetzen oder auch beizubehalten? Warum hat sich bei allem Bemühen so wenig zum Positiven verändert? Warum haben Pflegeheime nach wie vor ein derartiges Negativimage, dass sie von der Mehrzahl der Bevölkerung abgelehnt werden? Jeder achte Deutsche möchte lieber sterben als in ein Pflegeheim zu ziehen. Warum prägen nach wie vor Berichte über pflegerische Defizite das Bild?

Auch wenn ich weiß, welcher Aufschrei der Entrüstung reflexartig aus der Pflegebranche kommt, benenne ich trotzdem an dieser Stelle Beispiele menschenunwürdigen Handelns, die keine Einzelbeispiele sind, um dann auf die obigen Fragen Antworten zu suchen.

So werden Zwangsmaßnahmen bei „störendem“ Verhalten nicht selten in diesen Situationen mit der Fürsorge für diese Personen und deren Wohl gerechtfertigt.

Bei Pflegekräften besteht zudem die Furcht, dafür verantwortlich gemacht zu werden, wenn ein pflegebedürftiger Mensch, zum Beispiel durch einen Sturz, Schaden nimmt, der durch ein Bettgitter hätte verhindert werden können.

Dadurch kommt es oft zu Anwendung von freiheitsentziehenden Maßnahmen (Bettgitter, Gurte, Vorenthalten von Gehhilfen, Abschließen von Zimmertüren und andere mechanische oder medikamentöse Fixierungen) oder zu zwangsweise durchgesetzten Pflegehandlungen, „weil man es gut meint“.

Beispiele hierfür sind das Aufnötigen eines veränderten Ernährungs- und Trinkverhaltens, das nicht den eigenen Gewohnheiten beziehungsweise Bedürfnissen entspricht oder forcierte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme.

Ethisch bedenkliche Entscheidungen sind auch Ernährungssonden und das Anlegen von Blasenkatheter, um Pflegezeit einzusparen u.a.

Wer ist für diese Zustände eigentlich verantwortlich: Gesellschaft und Politik? Die institutionellen Strukturen? Träger und Führungskräfte oder die Mitarbeitenden?

Verantwortung der Politik + Gesellschaft

Die Politik hat in den letzten 30 Jahren nur von Wahl zu Wahl gedacht und hat es längst versäumt, vor dem Hintergrund des seit Jahren bekannten demographischen Wandels eine langfristige nachhaltige Strategie mit entsprechenden Rahmenbedingungen im Hinblick auf neue Modelle und Konzepte, Ausbildungsplätze, Finanzierung, Personalschlüssel u.a. zu entwickeln.

Daran ändern auch nichts die jüngsten Ergebnisse der Konzertierten Aktion Pflege. Demnach sollen sich die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte schnell und spürbar verbessern. Das ist Ziel der Konzertierten Aktion Pflege, die unter der Leitung der Minister Giffey, Heil und Spahn jetzt ihre Ergebnisse vorgelegt hat. 

Danach soll bundesweit nach Tarif bezahlt, ein am Bedarf orientierter Personalschlüssel eingeführt, die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte beschleunigt und die Zahl der Auszubildenden und Ausbildungseinrichtungen gesteigert werden. Hierzu möchte ich am liebsten laut rufen: ENDLICH!

Doch die vorgesehenen Maßnahmen kommen meines Erachtens viel zu spät. Wir haben schon lange kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Die Politiker tun jetzt so, als sei der Pflegenotstand plötzlich über uns hereingebrochen. 

Doch bereits vor 15 Jahren habe ich formuliert: „Wenn die Politik in der Pflege weiterhin mit der ruhigen Hand agiert, dann müssen wir demnächst zu Pflegende exportieren, weil wir keine Pflegenden mehr haben.“

Alles, was jetzt umgesetzt werden soll, habe ich bereits als Geschäftsführer der CBT seit vielen vielen Jahren eingefordert, angefangen bereits vor 28 Jahren mit meinem Beitrag: „Pflegenotstand –  die Situation wird bedrängend. Bricht die Pflege zusammen, weil die Personalschlüssel nicht ausreichen?“ Dieser Beitrag, erschienen in der Zeitschrift Altenpflege 7/1991, den Sie  hier noch einmal nachlesen können, endete mit meiner Forderung: 

„ES MUSS SOFORT GEHANDELT WERDEN!

In diesem Beitrag habe ich die tägliche personelle Unterbesetzung von circa 30 Prozent in der Pflege nachgewiesen und öffentlich kommuniziert. Und dies ist der eigentliche Skandal. Es ist seitdem in dieser Hinsicht nichts geschehen. Die Pflegenden wurden von der Politik im Stich gelassen. Die 13 Tausend  neuen Stellen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wobei bis heute hiervon keine einzige Stelle besetzt ist! Nötig sind jedoch mindestens 45 Tausend zusätzliche Mitarbeitende. Und wo sollen diese jetzt auf einmal herkommen?“

Wieder einmal haben unzählige Experten in Arbeitsgruppen zusammen gesessen und Ergebnisse produziert, die seit Jahrzehnten bekannt sind. Dieses Geld hätte man besser direkt in die Pflege stecken sollen. Die deutsche Politik sollte sich schämen, dass eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen seit Jahrzehnten so stiefmütterlich behandelt wird.

Es wäre in all den Jahren so leicht gewesen, in jedem Heim diese personelle Lücke von ca. 30 Prozent zu füllen. Dann wären nicht die heutigen Belastungen, Arbeitsverdichtungen, Burnout, Flucht aus der Pflege, die permanente Unzufriedenheit und das Negativ-Image sowie die zahlreichen Mängel in der Pflege und Versorgung älterer Menschen mit Pflegebedarf oder Demenz entstanden. Meine jahrelangen Hinweise und Appelle an Politik und Verbände sind immer wieder ins Leere gelaufen.

Verantwortung von Verbänden, Trägern, Führungskräften und Mitarbeitenden

Neben der personellen Unterbesetzung gibt es weitere zahlreiche Problemfelder, die nicht als Alibi auf die Politik abgewälzt werden können, weil Verbesserungspotenziale in der Verantwortung von Verbänden, Trägern, Führenden und Mitarbeitenden selbst liegen. Ich will nur einige kurz skizzenhaft aufzählen:

Die Pflegebranche spricht nicht mit einer Stimme. Verbände, leider auch Wohlfahrtsverbände, haben sich mit den Pflegekassen und der Politik „arrangiert.

Die Pflegenden selbst sind überwiegend immer noch nicht professionell genug, klagen und jammern, statt die Macht der Pflege zu begreifen, selbstbewusster aufzutreten und die Erfolge ihrer Arbeit öffentlich zu kommunizieren. Dazu zählen die wiedergewonnene Autonomie des Bewohners, die erhaltene oder neue Lebensfreude, das „Überflüssig-Machen“ lebenseinschränkender Maßnahmen, das Aufrechterhalten sozialer Netzwerke des Bewohners, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, das Verhindern von Risiken oder die Absenkung der Pflegestufe in Folge guter fachlicher Arbeit.

So entwickeln Mitarbeitende Stolz auf die eigene Arbeit und erreichen damit auch eine andere, verbesserte gesellschaftliche Anerkennung.

Pflege muss endlich anders gedacht werden, damit Heime einen besseren Stellenwert in unserer Gesellschaft erhalten. Doch viele Träger sind immer noch „träge“ und tragen nicht. Missstände und Frustration sind in der Regel dort vorzufinden, wo es keine werteorientierte Führungs- und Unternehmenskultur gibt. Wie man innen miteinander umgeht, wird man auch von außen wahrgenommen. Was Unternehmen bei Mitarbeitern falsch machen, können sie beim Kunden nicht besser machen. Wer ein schlechter Arbeitgeber ist, disqualifiziert sich auch als Anbieter. Denn nur zufriedene Mitarbeiter können auch gute Gastgeber sein.

Die Folgen mangelnder gesellschaftlicher und auch unternehmensinterner Anerkennung sind dramatisch: Fachkräftemangel, hohe Fluktuation und schwacher Marktwert der Dienstleistung.

Doch in der modernen Arbeitswelt ist Wertschätzung eine Schlüsselgröße für Qualität, Innovation, wirtschaftlichen Erfolg sowie Gesundheit und Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Anerkennung von außen, stolz auf die eigene Leistung und eine wert-schätzende Unternehmens- und Führungskultur durchbrechen diesen Teufelskreis.

Träger, Geschäftsführung und Heimleitungen tragen hier eine große Verantwortung, jeden Tag dafür Sorge zu tragen, dass die Würde des Menschen – der zu Pflegenden und der Mitarbeitenden – in keiner Situation verletzt wird. 

Doch auch Mitarbeitende haben ebenso eine solche Verantwortung, wenn sie Missstände sehen und die Augen verschließen. Dann machen sie sich mitschuldig. Denn Pflegende müssen Anwälte der älteren Menschen sein und sich bewusst machen, dass ihr Handeln ethische Werte berührt.

So vertrauen sich ältere Menschen Pflegenden an. Vertrauen stellt schon für sich alleine einen Wert dar. Weiterhin können Pflegehandlungen dem Menschen helfen, sie können ihm aber auch schaden. Die Integrität des menschlichen Lebens also ist ein zentraler Wert. Und schließlich haben wir es in der Pflege immer öfter mit Grenzsituationen der menschlichen Existenz zu tun, in denen die Erhaltung eines würdevollen Lebens mehr und mehr zur Aufgabe wird. Damit ist die Würde des Menschen ein zentraler Grundwert in der Ethik.

Für Pflegende wäre es also ein großer Gewinn, wenn sie sich regelmäßig vor Augen führen könnten, in welchem Umfang sie mit ihrer Arbeit auch zur Verwirklichung von Werten beitragen und welche Bedeutung ihr Handeln in der Wertordnung des anderen Menschen, ihrer selbst und damit der Menschheit besitzt.

Künftig wird immer deutlicher die Frage gestellt werden müssen, wer soll in einen Beruf gehen, in dem zahlreiche charakterliche Tugenden notwendig sind, zum Beispiel Respekt vor dem Leben und der Willensfreiheit des Menschen sowie die Fähigkeit, besonnen zu handeln und zu urteilen. Gerade die Unterstützung und Begleitung von Menschen in Grenzsituationen erfordert ein hohes Maß an Empathie-Fähigkeit. 

Daher ist der Pflegebereich angewiesen auf Menschen mit hoher menschlicher und fachlicher Kompetenz.

Fazit

Für eine gute Strategie zur Lösung des heutigen und grösser werdenden Pflegenotstandes reichen einzelne Maßnahmen oder Drehen an Stellschrauben im System nicht mehr aus.

Notwendig ist ein Paradigmenwechsel, eine radikale Umsteuerung unserer Pflegepolitik und eine neue Kultur des Miteinanders der Generationen im Sozialraum und des Zusammenhalts in der Gesellschaft im demographischen Wandel.

Wir müssen wegkommen von herkömmlichen Heimen „von der Stange“ ohne Bezug zum Sozialraum, hin zu flächendeckender systematischer Förderung von Quartierkonzepten mit Einbindung von Familien, Nachbarn und Bürgern und Aufbau von Kümmerer- und Vernetzungsstrukturen. 

Sozialräumliche Konzepte, wie inklusive Quartierprojekte, Mehrgenerationenhäuser, soziale Stadtprojekte, Gemeinschafts-Wohnprojekte u.a. haben gezeigt, wie vor Ort Engagement und Gemeinschaftlichkeit wirksam gefördert werden können. Gemeinwesenarbeit und Quartiermanagement ist hierbei ein zentrales Instrument. Auf diese Weise können im jeweiligen Wohnquartier zwischen Zivilgesellschaft und Professionellen neue, tragfähige Sorge-Settings entwickelt werden.

Pflegende Angehörige sind auch finanziell und im Sinne von Beratung stärker zu unterstützen. Gesundheitsfördernde und präventive Angebote für ältere Menschen und Pflegende müssen ausgebaut werden.

Das Personal-Marketing als wichtiger Schlüssel gegen die derzeitige Personalmisere mit den drei Aspekten „Finden, Fördern und Binden“ muss von den Unternehmen weiter ausgebaut werden. Heime müssen Fach- und Führungskräfte stärker selbst ausbilden, Kooperationen mit Schulen eingehen, Praktika anbieten und das Berufsfeld Pflege öffentlich stärker kommunizieren.

Weitere notwendige Massnahmen sind: Individuelle Personalentwicklung, Förderung von Talenten und Stärken, Klare Aufgaben- und Kompetenzregelung. Aufgaben- und Kompetenzprofile der Fachkräfte sind zu schärfen, die vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels eine mehr steuernde Funktion einnehmen. Warum eigentlich wird kein Mitarbeiter für allgemeine Verwaltungsaufgaben in der Pflege eingestellt, der die zeitraubenden Telefonate mit Arztpraxen, Krankenhäusern u.ä. übernimmt und so die Pflegenden enorm entlastet. 

Arbeitsbedingungen sind weiter zu verbessern: Wertschätzung, Beteiligungen, Bezahlung – nur 59 Prozent der Pflegenden werden nach Tarif bezahlt -, kürzere Dienstzeiten, nicht elf Tage am Stück! Flache Hierarchien, mehr Autonomie und Verantwortung für einzelne Mitarbeitende sowie Rückkehr-Programme für die vielen 1000 Mitarbeitenden, die der Pflege verloren gehen.

Die Fachkraftquote ist endlich zu überdenken und nicht wie eine heilige Kuh zu behandeln: weg von einer quantitativen hin zu einer qualitativen Fachkraftquote entsprechend den Bedarfen der Bewohner unter Einbeziehung anderer Berufsgruppen wie Hauswirtschaft, Therapeuten, Sozialpädagogen und andere.

Pflege ist nach wie vor zu sehr medizinisch orientiert. Doch gute Pflege umfasst das Wohnen und die soziale Teilhabe, also die Lebensqualität des Einzelnen. Daher muss die Versorgung älterer Menschen mit Pflegebedarf künftig stärker von professionellen Diensten verschiedener Disziplinen geleistet werden. 

Dies führt zu einer neuen Definition der Fachkraftquote, die dann nicht nur Pflegefachkräfte, sondern weitere professionelle Fachkräfte umfasst. Auf diese Weise gewinnt man statt quantitativer eine qualitative Fachkraftquote unter Einbeziehung weiterer Professionen und begegnet so gleichzeitig dem Mangel an Pflegefachkräften wirkungsvoll.

Zudem muss für eine verantwortungsvolle pflegerische Versorgung in Zukunft stärker differenziert werden zwischen Pflegefachkraft, Pflegekraft und Pflegehilfskraft. Mit entsprechenden Aufgaben- und Kompetenzprofilen begegnet man so ebenfalls dem personellen Bedarf.

Ein Einwanderungsgesetz muss den Zuzug von ausländischen Fachkräften vereinfachen.

Und schliesslich: Wir können nicht immer nur weitere Pflegeheime bauen, erst recht nicht als Renditeobjekte, die niemand will und für die es keine Fachkräfte gibt. Auch wenn Pflegeheime weiterhin erforderlich sein werden, kann die Lösung für die Pflege älterer Menschen nur darin bestehen, dass die Hilfe zur Selbsthilfe gefördert wird mit bezahlbaren haushaltsnahen Dienstleistungen, einem flächendeckenden Beratungsangebot, mit ambulanter pflegerischer Versorgung, einem Quartiermanagement oder der früheren „Gemeindeschwester. 

Innovative und radikale Veränderungen sind notwendig, aber auch möglich, wie das Pflegemodell von Buurtzorg – übersetzt Nachbarschaftshilfe -, einem Start Up Unternehmen aus den Niederlanden zeigt. Buurtzorg steht für ein ambulantes Pflegesystem, das den Patienten und Pflegebedürftigen ein eigenständiges Leben ermöglicht und ihre Selbstfürsorge aktiv fördert. Das Besondere ist aber auch, dass dieses System den Pflegenden ein hohes Maß an Eigenverantwortung überträgt.

Wenn möglichst viele Ältere sich auf ihre Stärken besinnen, ihre Potenziale und Ressourcen einbringen können und ihr Sozialraum intakt bleibt, kann der Pflegenotstand gelindert, vielleicht sogar verhindert werden.

 

Konzertierte Aktion Pflege: mehr Personal, mehr Geld, mehr Ausbildung

Die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte sollen sich schnell und spürbar verbessern. Das ist Ziel der Konzertierten Aktion Pflege, die unter der Leitung von Bundesfamilienministerin  Franziska Giffey, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn jetzt ihre Ergebnisse vorgelegt hat. Danach soll bundesweit nach Tarif bezahlt, ein am bedarfsorientierter Personalschlüssel eingeführt, die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte beschleunigt und die Zahl der Auszubildenden und Ausbildungseinrichtungen gesteigert werden.

Hierzu möchte ich am liebsten laut rufen: ENDLICH!

Doch die vorgesehenen Maßnahmen kommen meines Erachtens viel zu spät. Wir haben schon lange kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. 

Die Politiker tun jetzt so, als sei der Pflegenotstand plötzlich über uns hereingebrochen. Doch bereits vor 15 Jahren habe ich formuliert:
„Wenn die Politik in der Pflege weiterhin mit der ruhigen Hand agiert, dann müssen wir demnächst zu Pflegende exportieren, weil wir keine Pflegenden mehr haben.“

Alles, was jetzt umgesetzt werden soll, habe ich bereits als Geschäftsführer der CBT seit vielen vielen Jahren eingefordert, angefangen bereits vor 28 Jahren mit meinem Beitrag:
„Pflegenotstand die Situation wird bedrängend. Bericht die Pflege zusammen, weil die Personalschlüssel nicht ausreichen?“ Dieser Beitrag von 1991 endet mit meiner Forderung: „ES MUSS SOFORT GEHANDELT WERDEN!

In diesem Beitrag habe ich die tägliche personelle Unterbesetzung von circa 30 % in der Pflege nachgewiesen und öffentlich kommuniziert. Und dies ist der eigentliche Skandal. Es ist seitdem in dieser Hinsicht nichts geschehen. Die Pflegenden wurden von der Politik im Stich gelassen. Die 13 Tausend neuen Stellen sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Nötig sind mindestens 45 Tausend zusätzliche Mitarbeitende. Und wo sollen diese jetzt auf einmal herkommen?“

Wieder einmal haben unzählige Experten in Arbeitsgruppen zusammen gesessen und Ergebnisse produziert, die seit Jahrzehnten bekannt sind. Dieses Geld hätte man besser direkt in die Pflege stecken sollen. 

Die deutsche Politik sollte sich schämen, dass eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen seit Jahrzehnten so stiefmütterlich behandelt wird. Es wäre in all den Jahren so leicht gewesen, in jedem Heim diese personelle Lücke zu füllen. Dann wären nicht die heutigen Belastungen, Arbeitsverdichtungen, Burnouts, Flucht aus der Pflege, die permanente Unzufriedenheit und das Negativ-Image sowie die zahlreichen Mängel in der Pflege und Versorgung älterer Menschen mit Pflegebedarf oder Demenz entstanden.

Meine jahrelangen Hinweise und Appelle an Politik und Verbände sind immer wieder ins Leere gelaufen. Lesen Sie hierzu auch meine Beiträge vom 18. Mai 2018 „Herausforderung Fachkräftemangel in der Pflege! Gibt es gute Strategien? Und auch die Korrespondenz mit dem damaligen Gesundheitsminister Gröhe vom 8. Februar 2018.

Lesen Sie hier auch die Kommentare anderer Verbände zu den Beschlüssen der Konzertierten Aktion Pflege.

Mein Gästebuch-Eintrag bei „Hart aber fair“ am 3.6.2019

„Hart aber fair“ diskutiert heute am 03.06.2019 darüber, was sich in der Pflege ändern muss. Die Ministerin Franziska Giffey sowie die Minister Jens Spahn und Hubertus Heil diskutieren im Studio mit  Betreibern und Betroffenen. Man darf darauf gespannt sein, was seitens der Vertreter der Bundesregierung programmatisch vorgestellt wird. Bislang kann man den Eindruck haben, dass nichts verstanden wurde.

Ich verspreche mir nicht viel von dieser Diskussionsrunde. Die Probleme sind seit Jahrzehnten bekannt und außer gesetzlicher Flickschusterei mit immer neuen Wortungeheuern ist so gut wie nichts geschehen. Auch das vom Bundestag beschlossene Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz (PpSG) – wiederum so ein Wortungeheuer – lässt ebenfalls nicht erkennen, wie der Pflegenotstand aufgelöst werden soll. Die 13.000 neuen Stellen für die Behandlungspflege sind nur eine „Art Reparatur einer gesetzgeberischen Fehlentwicklung und nicht geeignet, die Pflegesituation merkbar zu verbessern“, wie Werner Schell vom Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk (Neuss) richtigerweise schreibt.

In das Gästebuch bei Hart aber fair habe ich für heute Abend folgenden Text geschrieben.

„Bereits 1991 – also vor 28 Jahren!!! – habe ich als Geschäftsführer eines großen Sozialunternehmens die tägliche personelle Unterbesetzung von circa 30 % in der Pflege nachgewiesen und öffentlich kommuniziert. Und dies ist der eigentliche Skandal. Es ist seitdem in dieser Hinsicht nichts geschehen. Die Pflegenden wurden von der Politik im Stich gelassen. Die 13 Tausend neuen Stellen sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Nötig sind mindestens 45 Tausend zusätzliche Mitarbeitende. Und wo sollen diese jetzt auf einmal herkommen?“

Lesen Sie hierzu auch meine früheren Beiträge:

 

„Mein Beruf: Pflegen“

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe – DBfK – hat in einer Kampagne Ende 2018 unter dem Motto „Mein Beruf: Pflegen“ drei Themenschwerpunkte aufgegriffen:

    • Pflege ist Leistungsfaktor 
    • Arbeitsbedingungen und Lohnniveau in der Pflege
    • Arbeitszeit und Dienstplan

Die Informationen und Materialien diese Aktion wurden nun in einem Sammelband zusammengefasst und durch weitere Handlungshilfen ergänzt.

Artikel lesen:  „Mein Beruf: Pflegen“ 

Neuer Pflege-TÜV

Die Pflegeeinrichtungen werden ab November 2019 durch ein neues Prüfsystem bewertet. 

Die vielfach und zurecht kritisierten Pflegenoten werden abgeschafft – hier haben Prof. Dr. Thomas Klie und ich bereits 2010 mit unserem Moratorium „Stopp den Pflegenoten“ ein Deutschland weites Aufsehen und eine breite Zustimmung in der Fachwelt erreicht. Einen dieser Beiträge lesen Sie hier. 

Mit der Abschaffung der Pflegenoten stehen darüber hinaus einige Neuerungen an. Die wichtigsten Änderungen habe ich hier zusammen gefasst:

    • Die Pflegeeinrichtungen ermitteln zukünftig selbst die so genannte Ergebnisqualität. Dies habe ich bereits schon vor einigen Jahren in meinem Artikel vorgeschlagen und eingefordert, den Sie hier lesen können.
    • Im jetzt entwickelten System werden zehn Indikatoren erhoben und das Ergebnis wird von einer Daten-Auswertungsstelle (DAS) auf Plausibilität geprüft.
    • Zusätzlich gibt es durch den MDK – Medizinischen Dienst der Krankenkassen –  eine externe Qualitätsprüfung. Hier werden so genannte Qualitäts-Aspekte geprüft und nicht wie vorher die Erfüllung festgelegter Kriterien.
    • Die Ergebnisse dieser intern und extern erhobenen Daten werden zusammen mit Informationen über die Pflegeeinrichtungen auf Internet-Portalen der Pflegekassen veröffentlicht. Die bisherige Gesamtnote wird es nach dem neuen System endlich nicht mehr geben.

Der BIVA-Pflegeschutzbund e.V. hat in seinem Newsletter 4 / 2019 vom 3.5.2019 alle Veränderungen zusammengefasst und kommentiert.

Diesen Newsletter finden Sie hier

 

12 Wege zu guter Pflege

 

 

Heute möchte ich Ihnen dieses wichtige, wertvolle und hilfreiche Buch des Journalisten Raimund Schmid noch einmal empfehlen.

Jeder kennt in seinem Umfeld einen oder mehrere ältere Menschen mit Pflegebedarf. Immer mehr Angehörige müssen heute die Pflege zu Hause selbst stemmen oder organisieren. Das wirft viele – oft ungelöste – Fragen und Probleme auf. Was kann ich tun, um mich im Gesetzeswirrwarr der Pflegeversicherung zurechtzufinden? Welche Pflegeform ist für meine Angehörigen die beste und wie kann ich dies beurteilen? Und wo erhalte ich verlässliche Informationen und Unterstützung?

Auf all diese und viele weiteren Fragen liefert das im Februar 2019 erschiene Buch „12 Wege zu guter Pflege“ des Aschaffenburger Journalisten Raimund Schmid klare und praktisch anwendbare Antworten. Wie Sie auf der Suche nach guter Pflege vorgehen können und was Sie besonders beachten müssen, erfahren Sie in diesem Buch.

 Hier lade ich Sie zu einer Leseprobe ein.

Ostern

Allen Lesern und Besuchern meiner Homepage wünsche ich frohe, gesegnete Ostern.

„Die Karwoche muss zur Care-Woche werden“

… das meint Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung vom 13. April 2019.

Es fehle an Personal, an Zuwendung, an Fürsorge –  höchste Zeit, dass die alten Menschen für ihre Rechte auf die Straße gehen.

Lesen Sie hier die Kolumne von Heribert Prantl

Zivilgesellschaft stärker einbinden

 

In einem aktuellen Beitrag ihrer gemeinsamen Kampagne zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung, den Sie hier lesen können, setzen sich der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland e.V. (VKAD) und der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege e.V. (DEVAP) dafür ein, nachhaltige Konzepte zur stärkeren Einbindung der Angehörigenpflege und ehrenamtlich engagierter Kräfte in allen Pflege-Settings zu entwickeln.

Damit greifen beide Verbände eine Position des Netzwerkes SONG – Soziales neu gestalten – auf. Als Mitinitiator dieses Netzwerkes habe ich schon vor vielen Jahren formuliert:

„Zukunftsorientierte Pflegeheime entwickeln sich zu „Kompetenzzentren für das Wohnen und Leben älterer Menschen“: sie bauen Quartier bezogene Netzwerke auf oder beteiligen sich hieran, mit ambulanten und so genannten teilstationären Diensten, mit Vertragswechsel statt Wohnungswechsel, mit Möglichkeiten der Abwahl von Leistungen und finanzieller Erstattung bei Unterstützung durch Angehörige, mit Einrichtungen der Rehabilitation und Therapie, mit Beratung und Angeboten, bindet Kirchengemeinden, Kindertagesstätten, Schulen und andere Dienstleister ein und beteiligt Angehörige und Bürger. Das traditionelle und in die Jahre gekommene Pflegeheim wird so ein lebendiger Ort der Netzwerke und übernimmt selbst Verantwortung für das Quartier, 

oder pointiert gesagt:

Gütezeichen für die Zukunft sind: 

  • Klasse statt Masse 
  • Stadtteil statt grüne Wiese
  • Netzwerk statt Isolation
  • Wohnhaus mit individuellen Betreuungsleistungen statt vollstationäre Pflegeeinrichtung
  • Nachfrage- statt Angebotsorientierung 
  • Kleinräumige Strukturen statt Pflegebatterien 
  • Autonomie und Selbstbestimmung statt Überfürsorge und Überversorgung       
  • Ressourcen-Förderung statt Ruhigstellung
  • Alltagsnormalität durch Multiprofessionelle Teams
  • Lebensqualität statt Pflegequalität       
  • Zeit, Zuwendung, Zärtlichkeit statt Still, Satt, Sauber 

Dabei werden wir neue Wege zu beschreiten haben, die uns heute noch völlig fremd sind und auch vielleicht abstrus erscheinen mögen. Der demographische Wandel wird uns aber dazu zwingen.Fragen der Lebensqualität und der sozialen Teilhabe älterer Menschen mit Pflegebedarf und Demenz sind die zentralen Aufgaben einer sich sorgenden und solidarischen Gesellschaft, in der Familien, Nachbarschaften und Dienstleister mit Unterstützung durch Politik und Kommunen neue Formen sozialer Verantwortung entwickeln, so dass sich die Aussage:

“Hier will ich nicht rein“ 

sich umwandelt in:

“Da möchte ich leben.“

Wohnen wie gewohnt, orientiert an den Wünschen sowie Bedarfen der Menschen und bezahlbar für alle, bedarf des Willens, der Anstrengung und des Einfallsreichtums aller Beteiligten.“
(Franz J. Stoffer)

Lesen  Sie zu dieser Thematik auch das SONG-Policy-Papier
„Neu Denken – Mutig Handeln. Das Sozialmodell der Zukunft“.

Mit diesem neuen Policy Paper zeigt das Netzwerk SONG die
notwendigen Weichenstellungen für den Umgang mit den
großen Zukunftsherausforderungen wie Alterung der Gesellschaft, Pflegekräfte-Mangel, steigende Ansprüche an Inklusion
und Integration auf.

Es verdeutlicht, dass das Drehen an einzelnen Stellschrauben nicht
mehr genügt. Stattdessen ist die Bündelung und Vernetzung
sämtlicher Ressourcen und Potenziale der verschiedenen
gesellschaftlichen Akteure erforderlich.

Mit sechs Prinzipien werden die für den notwendigen Wandel
entscheidenden Haltungen beschrieben und an Praxisbeispielen erläutert.
Ferner wird aufgezeigt, welche politischen Weichenstellungen erforderlich sind.

Hier finden Sie den Link zu diesem Papier.

 

Es kommt Bewegung in die Pflegereform

Die Initiativen der Institutionen  KDA, VKAD; DEVAP, DVLAB, pro-Pflegereform und SONG haben erreicht, dass das Thema des neuen Finanzierungssystems „Sockel-Spitze-Tausch“ nun auch die Politik und Öffentlichkeit erreicht hat, endlich muss man sagen!  

Der Druck, den Eigenanteil zu deckeln, nimmt zu und die Dynamik in der Diskussion ist gut und lässt auf ein neues System zur Finanzierung der Pflegeversicherung hoffen. Wobei die Konsequenzen auf einzelne Akteure schwierig einzuschätzen sind. So sind die Entwicklungen der Kostenentwicklung für Wohnen und Unterkunft losgelöst vom Ort, an dem Pflegeleistungen erbracht werden, nicht abzusehen. 

„Mit Auflösung der Sektorengrenzen wird es die „stationäre Pflege“ mit allen Bestandteilen der Kalkulation für Pflege, Wohnen, Unterkunft, nicht mehr geben können. Die Finanzierung der Investitionen für Pflegeeinrichtungen wird auf den Prüfstand gehören und unter dem Normalitätsprinzip werden  die speziellen Anforderungen an Einrichtungen auch zu überdenken sein“, betont Ellen Wappenschmidt-Krommus, die in der Zeit meiner Geschäftsführung in der CBT die Geschäftsbereichsleiterin für Innovation, Pflegepolitik und fachliche Konzepte war und heute Expertin bei der soleo GmbH ist.

In jedem Fall bietet diese Diskussion über eine Finanzierungsreform die Chance, dass höhere Personalkosten (u.a.mehr Personalstellen) unabhängig vom Eigenanteil finanziert werden können und Lösungen ohne diesen Aspekt einfacher zu finden sind.

Lesen Sie hierzu auch den Beitrag im  sgp REPORT vom 8. April 2019:

„Sockel-Spitze-Tausch: Initiative Pro-Pflegereform beauftragt Rothgang mit zweitem Gutachten

Zur Finanzierungsreform der Pflegeversicherung hat der Gesundheitsexperte Prof. Dr. Heinz Rothgang im Auftrag der Initiative Pro-Pflegereform in 2017 ein Gutachten erstellt. Sein Vorschlag des „Sockel-Spitze-Tausches“ (fester Eigenanteil der Versicherten an den Pflegekosten) prägt mittlerweile die politische Reformdiskussion. Nun hat ihn die Initiative mit einem Folgegutachten beauftragt: Mit dem Schwerpunkt auf der Umsetzung des Sockel-Spitze-Tauschs.

“Wir wollen die Flughöhe verringern und die notwendigen Impulse in die fachliche und politische Diskussion einbringen, um die Eigenanteile endlich zu begrenzen. Dazu müssen die Sektorengrenzen abgebaut und der Sockel-Spitze-Tausch umgesetzt werden, und das zweite Gutachten wird genau das beschreiben“, erklärt Bernhard Schneider, Hauptgeschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung und Sprecher der Initiative.

Zwei Arbeitsgruppen nehmen im Mai ihre Arbeit auf

Am zweiten Gutachten arbeiten ab Mai zwei Resonanzgruppen: Die Resonanzgruppe „Finanzierung“ beschäftigt sich mit der Umfinanzierung der Behandlungspflege, mit den Auswirkungen eines Sockel-Spitze-Tausches in finanzieller Hinsicht und dessen leistungsrechtliche Ausgestaltung. Die Resonanzgruppe „Module“ untersucht die Definition der zwei Module „Wohnen“ und „Pflege“, die Erstellung und Bepreisung eines Modulkataloges in einer Welt ohne Sektoren einschließlich eines möglichen Bezugs zur Personalbemessung. In jeder Gruppe arbeiten, neben Prof. Heinz Rothgang und Thomas Kalwitzki als Gutachtenautoren auch jeweils acht Experten aus der Initiative mit. Die EHS ist in beiden Resonanzgruppen vertreten und koordiniert den Prozess seitens der Initiative.

Mit dem DEVAP, dem VKAD und dem DVLAB engagieren sich drei wichtige Verbände in dem Prozess und zudem sowohl Diakonie- als auch Caritas-Träger sowohl mit ambulanten als auch mit stationärem Fokus. „Das zeigt den bundesweiten, übergreifenden Konsens über die Notwendigkeit des Sockel-Spitze-Tausches“, sagt Schneider, „und die Notwendigkeit, die Reform zeitnah umzusetzen“. Das Gutachten wird im Herbst 2019 vorliegen.

Zum Hintergrund

Die Initiative Pro-Pflegereform wurde Ende 2016 von mehreren Trägern und Verbänden aus der deutschen Pflegebranche ins Leben gerufen. Mittlerweile unterstützen 118 Pflegeunternehmen mit 959 Pflegeheimen und 263 Pflegediensten sowie 59 Verbände und Organisationen die Initiative, die sich für einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Pflegeversicherung einsetzt. In einem ersten Gutachten zeigte Prof. Dr. Heinz Rothgang im Mai 2017 auf, dass der Sockel-Spitze-Tausch machbar und finanzierbar ist. Das zweite Gutachten wird nun die Umsetzung der Versicherungsreform analysieren.“

Lesen Sie ebenfalls hier den Beitrag aus dem sgp REPORT vom 4. April 2019: „KDA – Kuratorium Deutsche Altershilfe – startet Debatte zur grundlegenden Erneuerung der Pflegeversicherung“.