Wohltätiger Zwang? Ethik in der Pflege!

Bewohner- bzw. Kundenorientierung wird noch in vielen Pflegeheimen verwechselt mit „Über-Fürsorge“, die dann Menschen mit Pflegebedürftigkeit oder Demenz in die „Schutzhaft der Nächstenliebe“ nimmt und nicht die Wünsche, Bedarfe, Bedürfnisse sowie noch vorhandene Fähigkeiten und Ressourcen der älteren Menschen im Blick hat.

Noch weniger akzeptabel sind mit Fürsorge begründete Zwangsmaßnahmen, die in vielen Feldern des Sozial- und Gesundheitswesens verbreitet sind.

Anwendung von Zwang in solchen professionellen Sorge-Beziehungen stellt  einen schwerwiegenden Eingriff in die Grundrechte der betroffenen Personen dar und ist folglich in besonderem Maße ethisch und rechtlich rechtfertigungspflichtig.

Zwangsmaßnahmen bei „störenden“ Verhalten werden nicht selten auch in diesen Situationen mit der Fürsorge für diese Personen und deren Wohl gerechtfertigt.

Bei Pflegekräften besteht zudem die Furcht, dafür verantwortlich gemacht zu werden, wenn ein pflegebedürftiger Mensch, zum Beispiel durch einen Sturz, Schaden nimmt, der durch ein Bettgitter hätte verhindert werden können.

Dadurch kommt es oft zu Anwendung von freiheitsentziehenden Maßnahmen (Bettgitter, Gurte, Vorenthalten von Gehhilfen, Abschließen von Zimmertüren und andere mechanische oder medikamentöse Fixierungen) oder zu zwangsweise durchgesetzten Pflegehandlungen, „weil man es gut mit ihm meint“.

Beispiele hierfür sind das Aufnötigen eines veränderten Ernährungs- und Trinkverhaltens, das nicht den eigenen Gewohnheiten beziehungsweise Bedürfnissen entspricht oder forcierte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme u.a.

Eine aktuelle Stellungnahme des Ethikrates, die Sie hier lesen können, nimmt sich dieser Problematik an, auch unter welchen Voraussetzungen Zwangsmaßnahmen gerechtfertigt sein können und entwickelt einen normativen Orientierungsrahmen mit Grundsätzen und Empfehlungen (ab S. 229ff).

Diese Stellungnahme „Hilfe durch Zwang? Professionelle Sorgebeziehungen im Spannungsfeld von Wohl und Selbstbestimmung“ sollte Pflichtlektüre in allen Sozialunternehmen sein.

Das Spannungsverhältnis zwischen Autonomiesicherung und Schutz greift auch das Projekt „Pflege ohne Gewalt?“ auf, das ich in meiner Zeit als CBT-Geschäftsführer initiiert  und gemeinsam mit Thomas Klie und Thomas Pfundstein in der KDA-Reihe „Vorgestellt“ Heft 72, veröffentlicht habe.

Die Ergebnisse dieses Projektes können Träger und Mitarbeitende in der Pflege im Umgang mit Gewalt- und freiheitseinschränkenden und -entziehenden Maßnahmen sensibilisieren und Anregungen für die tägliche Arbeit geben.

Lesen Sie auch zu dieser Thematik hier  meinen Beitrag „Gewalt in der Pflege – Licht auf die Schattenseiten.“

 

Die Kommerzialisierung wird es nicht richten

Alexander Künzel, bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden als Vorstandsvorsitzender der Bremer Heimstiftung, hat sich in einem Kommentar für das KDA  kritisch zur „kommerziellen Pflege“ mit ihren „Rendite-Strategien“ trotz der dramatischen Folgen von Unterversorgung und Leistungsrationierung in Folge mangelnden Fachkräftemangels geäußert.

Pointiert schreibt er:

„Nur die kommerzielle Pflege flötet unverdrossen ihr süßes Rendite-Lied.“

Und weiter:

“ Fragen der kommunalen Daseinsvorsorge ( ob Kinderbetreuung, ob Schulbildung, ob Gesundheit, ob Pflege) taugen schlichtweg nicht als Objekte eines renditegetriebenen Marktgeschehens. Es ist nicht nur die Frage einer sozial-ethischen Haltung… nein, es ist vielmehr auch die Frage einer verantwortlichen Zukunftssicherung unseres Gemeinwesens im demographischen Wandel.“

Link zum Beitrag

Mit Alexander Künzel habe ich in meiner Zeit als Geschäftsführer der CBT über drei Jahrzehnte eng, konstruktiv und vertrauensvoll zusammenarbeiten dürfen.

Alexander Künzel kann zurecht als Vordenker und Kämpfer für den Quartiersbezug von Heimen bezeichnet werden. Er hat die Bremer Heimstiftung zu einem vorbildlichen Sozialunternehmen aufgebaut, geprägt und weiterentwickelt.

Uns beide verband immer die Grundüberzeugung, dass die „behäbige Altenpflegelandschaft“ aufzumischen sei und dass auch im Alter und bei schwersten Einschränkungen die individuelle Würde eines Menschen unantastbar ist und diese Würde jeden Tag aufs Neue dem System Heim und den Mitarbeitenden abverlangt werden muss.

 

2019

 

ALLES IST GUT 

WENN DAS NOTWENDIGE GETAN 

UND DAS ÜBERFLÜSSIGE VERWORFEN, 

WENN DAS ZU VIEL VERSCHENKT 

UND DAS ZU WENIG VERSCHMERZT IST, 

WENN ALLE IRRTÜMER AUFGEBRAUCHT SIND, 

DANN KANN DAS

NEUE JAHR 

GETROST BEGINNEN.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein erfülltes Jahr 2019.

Text in Anlehnung an: Wolfgang Poeplau
in: Der Andere Advent, 2018/19

Sofortprogramm Pflege

Am 09.11.18 hat der Bundestag das Gesetz zur Stärkung des Pflegepersonals beschlossen. Mit dem Gesetz sollen eine bessere Personalausstattung und bessere Arbeitsbedingungen in der Kranken- und Altenpflege erreicht werden. Kern des Sofortprogramms sind 13.000 neue Stellen in der stationären Altenpflege.
Je nach Größe erhalten die Pflegeinrichtungen danach zwischen einer halben und zwei Pflegestellen zusätzlich. Finanziert werden sie durch die Krankenkassen.
In den Kliniken soll künftig jede zusätzliche Stelle in der Pflege vollständig von den Krankenversicherungen refinanziert werden.

Eine Darstellung der wesentlichen Regelungen des Gesetzes finden Sie hier.

Perspektivwechsel – Der Advent fordert uns hierzu auf

Heute fand ich in dem Kalender
Der Andere Advent,
der mich seit vielen Jahren in der
Vorweihnachtszeit begleitet,
folgenden wunderbaren Text:

„Advent heißt Warten
Nein, die Wahrheit ist
Dass der Advent nur laut und schrill ist
Ich glaube nicht
Dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann
Dass ich den Weg nach innen finde
Dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt
Es ist doch so
Dass die Zeit rast
Ich weigere mich zu glauben
Dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint
Dass ich mit anderen Augen sehen kann
Es ist doch ganz klar
Dass Gott fehlt
Ich kann unmöglich glauben
Nichts wird sich verändern
Es wäre gelogen, würde ich sagen:
Gott kommt auf die Erde!“

Und nun lesen Sie den Text von unten nach oben!

Iris Macke

Vielleicht gelingt auch Ihnen dieser Perspektiv-Wechsel.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche adventliche Zeit.

Innovative Sozialunternehmen

Ganz aktuell ist von den Herausgebern Berthold Becher und Ingrid Hastedt das Buch „Innovative Unternehmen der Sozial- und Gesundheitswirtschaft – Herausforderungen und Gestaltungserfordernisse“ veröffentlicht worden
und wie folgt beworben:

„Unternehmen  in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft, die  auch angesichts der Entwicklung ihrer Rahmenbedingungen nachhaltig erfolgreich sein wollen, müssen sich auf neue Art mit „Innovation“  auseinandersetzen. Dieser Band zeigt die Gründe hierfür auf und informiert handlungsrelevant über die von den Unternehmen zu schaffenden strategischen, organisatorischen, personellen und finanziellen Voraussetzungen zur Steigerung der Innovationsfähigkeit und der Innovationskraft.  Ergänzend verdeutlichen Praxisberichte, wie vielfältig die Absatzpunkte für Innovationen geworden sind und welche Erfahrungen mit Umsetzungsprozessen Unternehmen machen konnten.“

Auch ich habe zu diesem Publikationsprojekt eine Expertise eingebracht:

„Von der Vision zur Innovation – Entwicklung und Implementation
eines neuen Leistungskonzeptes für eine Senioreneinrichtung“. 

In meinem Beitrag habe ich die Umwandlung eines herkömmlichen Pflegeheims in ein Wohnhaus mit sechs autarken Hausgemeinschaften  beschrieben:

Hier finden Sie meinen Beitrag

Ich würde mich freuen, wenn Sie sich von diesen Buchbeiträgen
und meinem Innovationsprojekt inspirieren lassen könnten.

Fachkräftemangel – Gibt es gute Strategien?

In meinem Beitrag vom 18. Mai 2018  „Fachkräftemangel in der Pflege!
Gibt es gute Strategien?“  habe ich zu dieser Thematik ein Thesenpapier veröffentlicht, das Sie hier noch einmal nachlesen können.

Beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit am 6. Juni 2018 in Berlin gab es zu diesem Thema eine Experten-Diskussion.
Eine Zusammenfassung dieser Diskussion ist in der KDA-Zeitschrift
Pro Alter 03/ 2018 veröffentlicht:

Link der Diskussionsergebnisse

Auch die Bertelsmann-Stiftung hat das Thema Fachkräftemangel
aufgegriffen und hierzu das Papier „Strategien gegen den Fachkräftemangel in der Altenpflege – Probleme und Herausforderungen“ veröffentlicht.

Diese gesamte Veröffentlichung finden Sie unter diesem Link

Personalmangel verhindert Einzug

Mehr als jedes fünfte Pflegeheim hat in den vergangenen drei Monaten pflegebedürftige Menschen ablehnen müssen. Das geht aus der jetzt veröffentlichten Studie „Pflegethermometer“ des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung -DIP – mit Sitz in Köln hervor.

Den Personalmangel nannten die DIP-Experten bei der Vorstellung der Studie als Hauptursache für diese Entwicklung. „Die Personalengpässe führen zu Wartelisten und zu Absagen bei Betreuungsanfragen in den Einrichtungen“, sagte Prof. Michael Isfort, Leiter der Studie. Aktuell sind der Studie zufolge rund 17.000 Stellen im Pflegebereich der stationären Einrichtungen nicht besetzt. Um diese zu decken, würden 25.000 zusätzliche Pflegekräfte in Voll- beziehungsweise Teilzeit benötigt, so Isfort.

Die im Rahmen der Studie befragten Leitungskräfte hätten zudem steigende Belastungen für ihre Mitarbeiter beobachtet, so Isfort. Im Gegensatz zum Vorjahr hätte es mehr Krankheitsausfälle gegeben. Auch müssten die Beschäftigten öfter für Kollegen einspringen.

Für die Studie „Pflegethermometer 2018“ waren im Herbst 2017 mehr als 13.000 Pflegeheime in Deutschland angeschrieben und um Mitarbeit gebeten worden. Rund 1.000 Fragebögen waren beantwortet worden.

Link zur Studie

Neue Wohnformen für Pflegebedürftige

Der GKV-Spitzenverband als zentrale Interessenvertretung
der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland
hat ein Modellprogramm „Weiterentwicklung neuer Wohnformen
nach § 45 f SGB XI aufgelegt.
In § 45 f heisst es in Absatz 1:“Zur wissenschaftlich gestützten
Weiterentwicklung und Förderung neuer Wohnformen werden zusätzlich
10 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Dabei sind insbesondere solche Konzepte einzubeziehen,
die es alternativ zu stationären Einrichtungen ermöglichen,
außerhalb der vollstationären Betreuung bewohnerorientiert
individuelle Versorgung anzubieten.“
Ziel des Modellprogramms ist demnach, Modelle guter Praxis zu
neuen Wohnformen für Pflegebedürftige zu entwickeln,
zu erproben und zu evaluieren.
Hierfür wurden vom GKV-Spitzenverband 53 Projekte ausgewählt
und bei der Umsetzung von 2015 bis 2018 begleitet.
In der Abschlussbilanz am 8.10.2018 in Berlin wurden von KDA – Kuratorium Deutsche Altershilfe – als eine der wissenschaftlich begleitenden Institutionen die Ergebnisse zur Qualität wie folgt zusammen gefasst:

– Die Projekte entsprechen in hohem Maße den Bedürfnissen der    Bewohnerinnen und Bewohner.

– Die Bewohnerinnen und Bewohner schätzen die hohe Versorgungsicherheit und die vielfältigen Möglichkeiten der Selbst- und Mitbestimmung.

– Viele wünschen sich jedoch eine bessere soziale Einbindung.

– Angehörige fühlen sich in vielfältiger Weise in ihrer Sorge entlastet, bleiben jedoch verantwortlich eingebunden.

– Die geforderte Selbstverantwortung ist für viele noch ungewohnt und bedarf einer entlastenden Begleitung.

Auf der Homepage des GKV-Spitzenverbandes werden die Ergebnisse der Untersuchung bis Ende des Jahres veröffentlicht. Aktuell findet sich hier ein „Sammelband mit den Ergebnissen zu allen geförderten Projekten“, eine „Zwischenveröffentlichung zur methodischen Vorgehensweise der wissenschaftlichen Begleitung“ und verschiedene Info-Briefe.
KDA wird bis Frühjahr 2019 auf der Grundlage der Ergebnisse eine Arbeitshilfe erstellen.

Für mich sind die oben beschriebenen Qualitätskriterien und die sich hieraus ableitenden Erkenntnisse nicht neu. Jeder braucht sich nur selber fragen, wie er im Alter bei Demenz oder schwerer Pflegebedürftigkeit leben möchte.

Bereits 2003 habe ich als Geschäftsführer der CBT in Remscheid Lennep ein solches den obigen Kriterien entsprechendes Projekt verwirklicht: das CBT- Wohnhaus Katharinenstift mit autarken Hausgemeinschaften in „Reinkultur“, d.h. ohne zentrale Versorgungsstrukturen eines herkömmlichen Pflegeheims.

Der Weg zur Verwirklichung dieses Projektes ist in meinem Beitrag „Von der Vision zur Innovation – Entwicklung und Implementation eines neuen Leistungskonzeptes für eine Senioreneinrichtung“ beschrieben, den Sie hier lesen können.

Dieser Beitrag ist in dem Buch „Innovative Unternehmen der Sozial- und Gesundheitswirtschaft – Herausforderungen und Gestaltungserfordernisse“ erschienen.

In diesem Zusammenhang interessiert Sie vielleicht auch mein Vortrag „Pflegeheime – Auslauf- oder Zukunftsmodell: die Hausgemeinschaften – ein Konzept für das Leben wie gewohnt! , den ich bereits 2009 in meiner Funktion als Geschäftsführer der CBT gehalten habe und den Sie hier nachlesen können.

Ich würde mir wünschen, wenn noch viel mehr Träger und Führungskräfte den Mut finden könnten, solche zukunftsweisenden Wohnformen für ältere Menschen mit Demenz oder Pflegebedürftigkeit zu verwirklichen und so auch zu einem positiveren Image der Pflege beizutragen.

Alternative Wohnangebote jenseits des Pflegeheims sind gefragt

Größter Wunsch älterer Menschen ist, so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Alternative Wohnangebote jenseits des Pflegeheims sind gefragt. Doch wie steht es um das Angebot altengerechter Wohn- und Betreuungsformen, welche neuen Konzepte liefern Antworten? Diese Fragen behandelt das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) in der aktuellen Ausgabe seines Fachmagazins ProAlter und zusammen mit der Bank für Sozialwirtschaft und der BFS Service GmbH auf dem Kongress „Betreutes Seniorenwohnen“ am 6. November 2018 in Frankfurt am Main.

Hierüber berichtet die Bank für Sozialwirtschaft
in: BFS-Trendinfo 10/18 Informationen für
Führungskräfte der Sozialwirtschaft

Link zum Beitrag