8000? – Ein Tropfen auf dem heißen Stein!

Am 5.1.2018 habe ich zu der Problematik
„Pflegenotstand – Der Skandal in der Altenpflege“ auch den Geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe angeschrieben mit dem Hinweis, dass sich in den Sondierungs-
verhandlungen nun die großartige Möglichkeit bieten würde,
das Kernproblem der Altenpflege und damit den Pflegenotstand
sofort zu lösen und zwar unbürokratisch, schnell und effektiv.

Die Antwort des Bundesministeriums fiel, wie zu erwarten, enttäuschend aus.
(s. „Aktuelles“ 29. Januar 2018 auf dieser Website)

Die Politik scheint die Dramatik immer noch nicht verstanden zu haben.

Das Vorhaben in den Koalitionsverhandlungen zwischen Union
und SPD, 8000 neue Stellen zu schaffen, klingt gut, ist aber nur
ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Bei 11.390 Pflegeheimen (pflegedatenbank.com) bedeutet dies
0,7 Stellen je Heim. Erforderlich wären jedoch bei einer Durchschnittsgröße von 80 Plätzen mindestens 4 Mitarbeitende je Heim, also circa 45.000 zusätzliche Stellen.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband schätzt den Bedarf sogar auf rund
100.000 Pflegekräfte.

Wenn auch in der Pflege weiterhin mit der Politik der „ruhigen Hand“ agiert wird, dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir eines Tages zu Pflegende exportieren müssen, weil es in Deutschland keine Pflegenden mehr gibt.

Pflegenotstand – Der Skandal in der Altenpflege

Bereits 1991 habe ich in der Zeitschrift Altenpflege 7/91 in dem Artikel „ Die Situation wird wird bedrängend -Bricht die Pflege zusammen, weil die Personalschlüssel nicht ausreichen? “ den Pflegenotstand beschrieben und eine Lösung vorgeschlagen. Diesen Beitrag können Sie hier lesen.

Jetzt – 26 Jahre später! – ist in dem Beitrag in CAREkonkret
„Personalmangel wird hingenommen“  – das Kernproblem und
der Skandal in der Altenpflege von mir noch einmal aufgegriffen worden, nämlich die tägliche personelle Unterbesetzung von circa 20 Prozent.

Nur 1 bis 2 Mitarbeitende je Pflegedienst und -gruppe mehr – es müssen keine Fachkräfte sein, weil die Fachkraft-Quote gesetzlich vorgegeben ist – würde die äußerst belastende und unverantwortliche Situation sofort und spürbar verbessern helfen. Tatsache ist, dass bei einer normalen Besetzung im Frühdienst 3 Mitarbeitende für circa 30-35 Bewohner zur Verfügung stehen.

Wie soll auf diese Weise, wenn Mitarbeitende täglich am Limit arbeiten, gute und individuelle Pflege gewährleistet sein?  Diese völlig inakzeptable Situation dramatisiert sich weiterhin, wenn bei krankheitsbedingten Ausfällen auch über die Zeitarbeit keine Mitarbeitende  mehr geordert werden können.

Und die Überleitung der Pflegestufen in Grade und damit die übergeleiteten Pflegeschlüssel tragen ihr Übriges dazu bei: die Mitarbeiterzahl nimmt durch das Absinken der Pflegegrade noch zusätzlich ab.

Will eine der reichsten Gesellschaften dieser Welt eine derartige unwürdige und unmenschliche Situation weiterhin verantworten? So wichtig ein einheitliches Personal-Bemessungssystem auch ist. Noch dringender ist die sofortige personelle Aufstockung.

Mit meinem Brief an den Geschäftsführenden Gesundheitsminister Herrn Gröhe habe ich auf diese unzumutbare Situation der täglichen personellen Unterbesetzung im Pflegedienst von Heimen hingewiesen
und leider die enttäuschende, aber zu erwartende Antwort erhalten.
Unsere Politiker scheinen die Problematik nicht zu verstehen.
Wenn die Politik auch in der Pflege weiterhin mit der „ruhigen Hand“ agiert, werden wir eines Tages zu Pflegende
exportieren müssen, weil wir in Deutschland keine Pflegenden mehr haben.

 

Gröhe-Brief

Gröhe-Antwort

Der Skandal