Mehr Transparenz der Pflegeheim-Qualität nötig

Die Frage nach einem geeigneten Pflegeheim steht meist am Ende eines langen Entscheidungsprozesses zur Gestaltung der letzten Lebensjahre, wenn das Leben und die Versorgung in den eigenen vier Wänden nicht mehr möglich ist. Der ältere Mensch ist dann auf zuverlässige Informationen über die Qualität von Pflegeheimen angewiesen. Doch hier offenbart sich ein gravierendes Transparenzproblem.

Alle deutschen Bundesländer wissen ziemlich genau, wie viel Personal in jedem einzelnen Pflegeheim ihres Landes tatsächlich im Einsatz ist – doch nur sehr wenige teilen diese und weitere qualitätsentscheidenden Fakten mit den Menschen, die es angeht. Das ergab eine Bestandsaufnahme der “Weissen Liste” der Bertelsmann Stiftung. Die “Weisse Liste” soll Patienten befähigen, fundierte Wahlentscheidungen zu treffen. Sie will Transparenz über die Qualität von Gesundheitsanbietern schaffen und damit auch den Wettbewerb um Qualität fördern.

Dass dies dringend nötig ist, zeigt der Flickenteppich  der  landesgesetzlichen Regelungen. Manche Länder sorgen sehr gut für Transparenz, in anderen ist das kein Thema. Und einige Länder, in denen das Gesetz eine Verbraucherinformation vorschreibt, schaffen es nicht, dies auch in die Praxis umzusetzen. Darüberhinaus werden  Prüfergebnisse hierzu in den meisten Bundesländern unter Verschluss gehalten.

Wo es genau hakt und was sich ändern muss, nimmt die Studie der Bertelsmann Stiftung “Qualitätstransparenz in Pflegeheimen” unter die Lupe.

Keine Luft zum Atmen – Altenpflege am Limit

Die aktuelle Studie “Altenpflege im Fokus 2021” von Vincentz Network, Deutscher Berufsverband der Pflegeberufe und Cogitaris GmbH bestätigt, was seit Jahren in der Pflege bekannt ist und ich bereits seit 1990 anmahne: Die Personaldecke ist zu dünn. Um Mitarbeitende zu halten und neue zu gewinnen, braucht es bessere Rahmenbedingungen: mehr Personal, bessere Führung (S. 38) sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Die Ergebnisse der Befragung von Pflegefachkräften in Pflegeheimen stellen der Gesundheits- und Pflegepolitik der letzten  Jahre kein gutes Zeugnis aus. Die überwältigende Mehrheit (96 Prozent) glaubt nicht einmal, dass “die Politik” die Lage verstanden hat und zuverlässig bemüht ist, sie zu verbessern. Auch von den Ergebnissen der Konzertierten Aktion und dem Sofortprogramm erwarten 92% keine Verbesserungen für die Pflegenden, eine erschreckende Ernüchterung und Enttäuschung. 

Die chronisch unzureichende Personalausstattung ist Hauptursache für einen Großteil der Belastungen und Frustrationen der Mitarbeitenden. Denn dieser Mangel macht es immer schwieriger – so 68 Prozent der Befragten – eine gute und qualitätsvolle Pflege zu gewährleisten, es fehlt Zeit für die zu Pflegenden und fast alle Antwortenden haben regelmäßig das Gefühl, dem eigenen fachlichen Anspruch nicht gerecht zu werden. Mehr als 75 Prozent derBefragten beklagen darüberhinaus negative Auswirkungen auf das Privatleben. All dies zusammen lässt den eigentlich schönen und wertvollen Beruf grundsätzlich für alle unattraktiv erscheinen. 40 Prozent der Befragten überlegen, in den nächsten fünf Jahren den Beruf aufzugeben und zusätzlich 21 Prozent werden in diesem Zeitraum Rente gehen. 

Das Kind ist also längst in den Brunnen gefallen. Wo sollen denn auf einmal Pflegefachkräfte herkommen, wenn über 30 Jahre lang die Entwicklung verschlafen wurde und in Deutschland generell ein Fachkräftemangel gegeben ist?  Soll man jetzt wieder einmal Hoffnung auf die neue Bundesregierung setzen?

Lesen Sie auch meinen Beitrag “Pflege neu denken! Was sich ändern muss!”

AdventsZeit

 

Foto:FJS

Das Licht kommt von oben und erhellt die Kapelle.
Das Licht steht für das Immaterielle, für den Geist, den wir nicht zu fassen vermögen. Und doch verwandelt das Licht nicht nur den Raum der Bruder-Klaus-Kapelle in Mechernich, sondern auch unseren inneren Raum. Wenn alles in uns erleuchtet wird, auch das Dunkle, das, was wir am liebsten vor uns und den Menschen verbergen möchten, dann werden wir selbst zum Licht. (Vgl.Eph 5,12f)

                                             Anselm Grün

Interview zur aktuellen Lage der Pflege in der alternden Gesellschaft

Das KDA – Kuratorium Deutsche Altershilfe e.V. – verfolgt das Ziel, eine humanere Gesellschaft des langen und selbstbestimmten Lebens aktiv mit zu gestalten und stärkt durch seine Arbeit das wertschätzende Zusammenleben jeden Alters. Als Ideengeber und Vorreiter für innovative Lösungsansätze leistet das KDA wertvolle Dienste für das Gemeinwesen.

Das KDA steht unter der Schirmherrschaft des jeweils amtierenden Bundespräsidenten, der auch die Vereinsmitglieder – Kuratorinnen und Kuratoren – beruft. 

Seit 2004 bin ich Kurator und habe von 2013 bis 2019 im Aufsichtsrat mitgewirkt. 

Aktuell hat der Kuratoriumsbeauftragte des KDA ein Interview mit mir geführt und mich zur Lage der Pflege in unserer alternden Gesellschaft befragt.

Ich würde mich freuen, wenn dieses Interview  Ihr Interesse findet. 

Nichts dazu gelernt? – Teil 2

Nach wie vor ist Pflege in der Politik nur ein Randthema, obwohl vor dem Hintergrund der alternden Bevölkerung neben der Klimakrise das wichtigste gesellschaftspolitische Thema überhaupt.

Doch wir haben in Deutschland kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.

Niemand soll sagen, man hätte es nicht gewusst. 

Bereits 1991 wurde von mir in der Zeitschrift Altenpflege 7/91 in dem Artikel „Die Situation wird bedrängend –  Bricht die Pflege zusammen, weil die Personalschlüssel nicht ausreichen“
der Pflegenotstand beschrieben und eine Lösung vorgeschlagen. 

Diesen Beitrag finden Sie hier.

Und 2003 habe ich in einem Vortrag mit dem Thema
 „Das Älterwerden hat seinen Preis –  was sind uns die Alten wert?“ 
die demographischen Fakten und die Pflegesituation beschrieben und gesagt:
“Deutschland schreitet unvorbereitet in Richtung Altenrepublik, rast sehenden Auges in eine Pflegekatastrophe und kaum einer tut etwas.“

Lesen Sie bitte meinen Vortrag “Was sind uns die Alten wert?” und beurteilen Sie selbst, ob nicht schon damals alle Fakten auf dem Tisch lagen und dass sich seitdem dennoch so gut wie nichts geändert hat.

Nichts dazu gelernt? – Teil 1

Es gibt wieder Corona-Ausbrüche in Pflegeheimen. Es sterben wieder Menschen an Covid-19, hochbetagte und pflegebedürftige Menschen, denen durch Politik und Träger ein besonderer Schutz versprochen wurde. Laut dem Robert-Koch-Institut sind es deutschlandweit inzwischen 93 Tote.
Tendenz steigend.

Wiederholt sich die dunkelste Phase der Pandemie in Deutschland? Müssen wir uns wieder auf zahlreiche Corona-Tote in Pflegeheimen und das „Einschliessen“ der Bewohner einstellen, obwohl Impfstoffe und Tests zur Verfügung stehen und das Nachlassen der Immunität bei älteren Menschen bekannt ist?

Die Toten in den Pflegeheimen zeigen, dass die Pandemie eben nicht zu einem Problem der Unge- impfen geworden ist. Sie ist weiterhin ein Problem, das die ganze Gesellschaft betrifft. Wenn die Zahl der Toten in den Pflegeheimen weiter steigt, dann wurden immer noch nicht die richtigen Lehren aus der Pandemie gezogen.

Dann haben die Verantwortlichen in Deutschland versagt. Denn wir haben alle Mittel, um gefährdete Menschen in den Pflegeheimen zu schützen. Es muss so schnell wie möglich eine Auffrisch-Impfung erfolgen. Träger und Mitarbeitende müssen wissen, dass eine 2 G-Regel für Besucher und Pflegende nicht ausreicht. Der Impfschutz ist nicht steril, Geimpfte können das Virus weitergeben, auch wenn sie selbst nicht erkranken.

Jeder, der mit besonders gefährdeten Menschen zu tun hat, sollte also getestet sein. Und wer in einem Pflegeheim arbeitet, egal ob geimpft oder nicht, muss die Verantwortung übernehmen und die ihm anvertrauten Menschen schützen. Hier gilt: Testen, Mundschutz und Hygiene und dies alles ganz konsequent. Auch die Diskussion um die Impf-Pflicht im Gesundheitsbereich darf hierbei kein Tabuthema sein.

Ich plädiere dafür, dass Pflegende sich impfen lassen sollen, auch für ihre eigene Sicherheit, die ihre Kolleginnen und Kollegen, die ihrer Familien und für die ihnen anvertrauten Menschen und deren Angehörigen. Jeder nicht geimpften Pflegekraft empfehle ich den Bericht im Spiegel 8/2021
” Ein Riesenfehler” der Altenpflegerin Barbara Meier, die im Klinikum Nürnberg auf der Intensivstation lag und sagt: „Sie habe die Warnungen vor Corona für übertrieben gehalten und eine Impfung abgelehnt. Nun bereue sie es“.

Auf Grund der obigen Argumente und der sich weiter verschärfenden aktuellen Situation will ich es noch klarer formulieren und zitiere den Philosophen Isaiah Berlin der einmal gesagt hat:
„Freiheit der Wölfe ist der Tod der Lämmer“. 

Dieser Satz leuchtet jedem sofort ein: die eigene Freiheit endet dort, wo sie dem anderen schadet. Und in Deutschland laufen derzeit viele Wölfe durch Städte und Dörfer und auch Pflegeheime. 

Es ist unverantwortlich und ein Skandal, dass in Pflegeheimen Menschen sterben, weil sich ein Teil der Mitarbeitenden der Injektion verweigert. Man könnte fast von fahrlässiger Tötung sprechen. Wer so seinen Beruf ausübt, hat jeden Verantwortungssinn verloren. Daher wird immer häufiger eine Impfpflicht bestimmter Berufsgruppen gefordert. Pflegende gehören mit Sicherheit dazu. Wenn nicht sie, wer dann?

Aber müssen wir nicht noch einen Schritt weitergehen? Wenn die Wissenschaftler uns sagen, dass die Pandemie dann vorbei ist, wenn 90 bis 100 Prozent der Bevölkerung geimpft ist, bedeutet das dann nicht, dass wir in Deutschland eine Impfpflicht dringend brauchen?

Pflegereform oder Etikettenschwindel?

Die Bundesregierung hat jetzt eine Pflegereform vorgestellt. Seit Jahren hat sie immer wieder versucht, die Lage in den Kliniken und vor allem auch in den Pflegeheimen zu verbessern. Was sind die größten Baustellen?

Personal

Das wohl größte Problem der Pflege bleibt weiterhin der Fachkräftemangel. 2018 versprach Minister Spahn 13.000 neue Stellen in der Altenpflege zu finanzieren. Doch schnell wurde klar, das Geld allein kaum hilft. Nach Angaben des Spitzenverband der Krankenkassen GKV sind seitdem lediglich knapp 3000 dieser Stelle tatsächlich besetzt. 

Neben dem Fachkräftemangel ist meines Erachtens das noch viel größere Problem die tägliche personelle Unterbesetzung. Bereits 1991 – also vor 30 Jahren !! – habe ich offensichtlich als Erster in Deutschland in einer eigenen Unternehmensstudie  die tägliche personelle Unterbesetzung von circa 30 Prozent nachgewiesen. Und seit dieser Zeit ist so gut wie nichts geschehen. 

Jetzt wird die Politik endlich gezwungen, das Kernproblem der Altenpflege zu lösen.

Auslöser ist offensichtlich die Personal-Bemessungsstudie von Prof. Dr. Heinz Rohgang und seinem Team der Universität Bremen, die die Ergebnisse meiner Untersuchung bestätigt und nachweist, dass sogar 36 Prozent mehr Personal in der vollstationären Pflege erforderlich ist, um die anfallenden Aufgaben sach- und fachgerecht ausführen zu können.

Ein weiteres Ziel des Gesundheitsministeriums ist es, Pflegekräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Die Erfolge sind bescheiden. So wurden 2019 circa 15.500 ausländischer Abschlüsse in der Gesundheits und Krankenpflege anerkannt. Wichtige Herkunftsländer dieser Pfleger waren dabei die Philippinen, Bosnien-Herzegowina und Albanien.

Vergütung 

Entgegen der immer wieder in der Öffentlichkeit diskutierten schlechten Bezahlung der Pflegekräfte sind dem Statistischen Bundesamt zufolge die Bruttolöhne der Pflegekräfte sowohl in Kliniken wie auch in Pflegeheimen seit 2010 um ein Drittel gestiegen. In den Pflegeheimen beträgt die Zunahme sogar 38,9 Prozent. Damit fällt die Steigerung deutlich stärker aus als in der Gesamtwirtschaft des produzierenden Gewerbes und der Dienstleistungen. So verdienten im vergangenen Jahr Pfleger in Kliniken im Durchschnitt 3578 € brutto im Monat, in Pflegeheimen 3363 € und in Altenheimen 3291 €.

Die Abweichungen sind vor allem auf die Tarif Löhne zurückzuführen, die meist in der Krankenpflege gezahlt werden. In der Altenpflege ist dies nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums nur bei der Hälfte der Fachkräfte der Fall. nur 59 Prozent der Pflegenden werden nach Tarif bezahlt 

Diese Diskrepanz war unter anderem auch Anlass für die am Mittwoch vom Kabinett auf den Weg gebrachte Pflegereform. Ein verbindlicher Tarifvertrag für die gesamte Branche ist bisher gescheitert.  Nun sollen ab dem 1. September 2022 Versorgungsverträge nur noch mit Pflegeeinrichtungen abgeschlossen werden dürfen, die nach Tarifverträgen oder mindestens in entsprechender Höhe bezahlen.

Arbeitsbedingungen

Die meisten Pflegekräfte arbeiten im Schicht und Wochenenddienst und erlebten bereits lange vor der Pandemie einen physisch sowie emotional belastenden Arbeitsalltag. Diese belastende Situation lässt sich weniger mit einem höheren Gehalt abfedern, sondern vor allem durch mehr Kolleginnen und Kollegen pro Schicht und damit weniger Belastung und Stress.

In jeder Schicht eine tägliche personelle Unterbesetzung von mindestens 30 Prozent und gleichzeitig zu lange Dienstzeiten mit 11 Arbeitstagen am Stück führen zu Arbeitsverdichtungen, Fließbandarbeit, Krankheit, Burnout, Unzufriedenheit, Frustration und damit auch zu Fehlern, Mängeln in der Pflege, und zu Missständen.

Hier liegt also der dringende Handlungsbedarf und nicht in erster Linie in der Auszahlung von Boni und mehr Gehalt. Lesen Sie hierzu auch meinen Beitrag Pflege neu denken! Was sich ändern muss!

Vor dem Hintergrund der personellen Unterbesetzung hat das Gesundheitsministerium 2019 in den Kliniken die so genannten Pflegepersonal-Untergrenzen eingeführt, die festlegen, wie viele Patienten eine Krankenhauspflegekraft maximal betreuen darf. Gesundheitsexperten und Krankenkassen kritisieren diese Untergrenzen als deutlich zu niedrig. Diese definierten nicht „gute Pflege“ sondern seien ein absolutes Mindestniveau, um Patientengefährdung zu verhindern, heißt es aus dem GKV Spitzenverband.

In der Altenpflege dagegen wird ein Verfahren erprobt, das auf Basis der Bewohnerstruktur den Personalbedarf ermittelt. So werden keine pauschalen Mindestvorgaben gemacht, sondern pro Heim der genaue Pflegebedarf und das dafür notwendige Personal berechnet. Dieses Instrument schafft somit die Grundlage für Neueinstellungen, wenn der Markt diese dann auch hergibt.

Ausbildung

Die Ministerien Gesundheit, Familie und Arbeit verkündeten Anfang 2019, die Zahl der Pflege-Azubis und ausbildenden Einrichtungen bis 2023 im Bundesdurchschnitt um 10 Prozent steigern zu wollen. Im Jahr 2019  begannen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 71.300 Menschen eine Ausbildung in einem Pflegeberuf, immerhin 8 Prozent mehr als im Vorjahr und 39 Prozent mehr als noch vor zehn Jahre. Allerdings schlossen in dem Jahr lediglich 62 Prozent die Ausbildung auch tatsächlich ab.

Kontraproduktiv ist allerdings, dass lediglich 62 Prozent der Pflegeheime und nur 35,3 Prozent der ambulanten Pflege- und Betreuungsdienste Ausbildungen anbieten.

Eckpunkte der Pflegereform

Um die finanzielle Belastung der Bewohnerinnen und Bewohner in Grenzen zu halten, soll deren Anteil an den Pflegekosten im ersten Jahr des Heimaufenthaltes um 5 Prozent sinken. Im zweiten Jahr übernimmt die Pflegekasse 25 Prozent, im dritten Jahr 45 Prozent und danach 70 Prozent des Eigenanteils.

Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sind von dieser Regelung ausgenommen.

In der ambulanten Pflege sollen die Leistungsbeträge der Pflegeversicherung um 5 Prozent steigen. 

Weitere Regelungen betreffen die Arbeit der Pflegekräfte. Sie sollen mehr Entscheidungsbefugnisse bei der Auswahl der richtigen Hilfsmittel und in der häuslichen Versorgung von Pflegebedürftigen erhalten. 

Für Pflegeheime soll künftig ein einheitlicher Personalschlüssel gelten, um die Einstellung zusätzlicher Pflegekräfte zu ermöglichen. 

Zur Finanzierung sind ein Bundeszuschuss von 1 Milliarde €  jährlich für die Pflegekassen sowie eine Anhebung des Pflegebeitrages für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte vorgesehen. Dies soll etwa 400 Millionen € ausmachen. 

Sozialverbände und Opposition kritisieren die Neuregelung als unzureichend. Auch gibt es Zweifel an der Finanzierung und daran, ob die Entlastungen überhaupt bei den Pflegebedürftigen ankommen.

Private Anbieter von Pflegeeinrichtungen sprechen ihrerseits von einer Existenzgefährdung ihrer Unternehmen durch die Pflicht zur Zahlung von Tariflöhnen und kündigten dagegen juristische Schritte an.

Hart ins Gericht mit dieser Pflegereform geht Prof. Dr. Stefan Sell in seinem Beitrag „Kurz vor dem „Nichts geht mehr“: Die „Pflegereform“ auf der Zielgeraden. Anmerkungen zu einem Etikettenschwindel mit Luftbuchungen inmitten von Flickschusterei”.

 

Gruss zum Tag der Pflege

Bereits zum zweiten Mal steht der Internationale Tag der Pflegenden im Zeichen der Corona-Pandemie. Die Dauerkrise hat eines deutlich hervorgebracht: selbst in Zeiten überdurchschnittlicher Belastung ist es überwiegend gelungen, mit guter Führung und mit engagierten Mitarbeitenden  die qualitative pflegerische Versorgung sicherzustellen. Neben der verdienten Wertschätzung ist es jetzt an der Zeit für eine klare Analyse und dringende Reform der Pflege.

Die Pandemie wirkt auch hier wie ein Brennglas, das die Probleme deutlich zum Vorschein bringt. Die eigentliche Herausforderung liegt im Umgang mit der demografischen Entwicklung, in der immer mehr Pflegebedürftige immer weniger Erwerbstätigen gegenüberstehen. Nur mehr Geld für mehr Leistungen und bessere Bezahlung wird nicht verhindern können, dass es zu immer größeren Versorgungslücken und immer mehr Arbeitsverdichtung in der professionellen Pflege kommen wird.

Bisher lässt die Diskussion um eine Reform der Pflegeversicherung eine klare Analyse vermissen, was zukünftig mit den vorhandenen Ressourcen leistbar sein wird. Bleibt sie aus, wird das System der Pflegeversicherung weiter erodieren und Vertrauen verspielt. Nur Geld, gute Worte und das redliche Bemühen aller werden nicht ausreichen, um in Zukunft zu bestehen.

Die Evangelische Heimstiftung Stuttgart hat heute am 12. Mai mit einem „Gruss zum Tag der Pflege“ eine Videobotschaft  an die Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Ziel geschickt, die Pflegereform noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg zu bringen. 

Lesen Sie auch zu dieser Thematik meinen Beitrag:
Pflege neu denken! Was sich ändern muß!