Aussagen zu Pflege/Qualität

AUSSAGEN ZU PFLEGE / QUALITÄT

„Das Thema Qualität in der Pflege ist in aller Munde und nimmt auch in der Gesetzgebung breiten Raum ein bis hin zu den Qualitätsprüfungen mit ihren unsäglichen und nichts aussagenden Pflegenoten.

Doch wie definieren wir eigentlich Qualität?  Der Einzelhandel hat eine wunderbare Definition: Qualität ist, wenn die Kunden wiederkommen und nicht die Geräte. Die Pflegebranche dagegen hat keine verbindliche Definition von Qualität. Aber sie wird dennoch jährlich überprüft.

Gleichzeitig scheint die Forderung im Raum zu stehen: Qualität verdoppeln, doch die Kosten halbieren.

Die derzeitige Diskussion um Qualitätsmanagement  muss daher viel umfassender geführt werden. Es kann nicht nur um gute pflegerische Qualität nach dem Stand der Künste gehen sowie um Pflegestandards oder Dokumentationen. So verhindert der MDK geradezu Qualität mit seiner Aussage: „Was nicht dokumentiert ist, ist nicht gemacht“.  Da ist es im Interesse der älteren Menschen mit Pflegebedarf oder einer Demenz unendlich wertvoller, wenn es gemacht ist, aber nicht dokumentiert. Darüberhinaus verhindert eine Pflegenote von dreimal jährlich 1,0 eine Qualitätsweiterentwicklung.

Auch die Konzentration auf  Struktur- , Prozess-  und Ergebnisqualität für den Bereich der Pflege ist zu wenig.  Dies alles ist zum Scheitern verurteilt, wenn nicht alle Dienste des Unternehmens wie Küche, Hauswirtschaft, Haustechnik, Verwaltung und weitere Dienste ebenfalls qualitativ gut arbeiten und ineinandergreifen.

Es geht also um die Wohn- und Lebensqualität der Kunden sowie für die Mitarbeitenden um die Qualität des Arbeitsplatzes. Qualitätsmanagement muss also integraler Bestandteil der Unternehmenskultur sein und keine Abteilung. Und eine qualitativ hochwertige Arbeit ist nur möglich, wenn die Bedingungen, unter denen sie angeboten wird, auch dieser Qualität entsprechen.

Daher warne die ich seit Jahren vor der technokratischen Illusionen zu glauben, dass mit ISO -Normen oder Qualitätsprüfungen mit ihren Pflegenoten Werkzeuge geliefert werden, mit denen man bei richtigem Gebrauch  die gewünschte Dienstleistungsqualität erhält.“


„Qualität aus dem Lateinischen, bedeutet Beschaffenheit, Güte, Wert und ist die Übereinstimmung mit den gewünschten, festgelegten oder vereinbarten Anforderungen. Wo diese Anforderungen nicht erfüllt sind, liegen Qualitätsabweichungen vor. Diese Definition von Qualität als Übereinstimmung mit den Anforderungen setzt voraus, dass ein Dialog mit dem Kunden über die Anforderungen über seine Wünsche und Erwartungen stattgefunden hat und sich beide Partner geeinigt haben.“


„Ebenso weit verbreitet in der Qualitätsdiskussion ist die Ansicht, mit Standards, die im Voraus festgelegt werden, mögliche Fehler und Risiken vermeiden zu können. Standards aber können keine Rücksicht nehmen auf die Besonderheiten der beteiligten Menschen oder auf die jeweilige spezifische Situation.
Die Pflege benötigt daher eine dezentrale, flexible Arbeitsorganisation. Sie muss individuell und situativ gestaltet werden und auf die tägliche besondere Verfassung des Menschen eingehen. Starre Normierung führt dazu, dass Leistungen schematisch erbracht werden, die vielleicht gerade gar nicht nötig sind, während persönliche Wünsche oder ein aktueller Bedarf unerfüllt bleiben.
Hierzu ist aber nur der schöpferische Mitarbeiter mit Freiräumen für selbstbestimmtes und fachkompetentes   Arbeiten in der Lage.  Dies setzt Transparenz, Beteiligungs- und Gestaltungsoptionen voraus.
Qualität der Arbeitsbedingungen, Arbeitszufriedenheit und effiziente Organisationsformen schaffen die Voraussetzungen für eine hohe Qualität der Dienstleistung.

Auch die Existenz eines Qualitäts-Management-Systems oder eines Qualität-Handbuches ist bestenfalls ein Hinweis auf die Qualität einer Dienstleistung, keinesfalls aber ihr Nachweis. Die Einhaltung der Form oder Norm sagt nichts über die Qualität des Inhalts.

Wenn Sie Ihr Auto in die Werkstatt bringen, interessiert Sie doch nicht, wie der Mechaniker seinen Werkzeugkasten  geordnet hat oder wie sein Overall aussieht, sondern sie wollen ihr Auto im besten Zustand zurück haben.                                                                                                                                                                          Was hilft es, wenn ein zertifiziertes Bauunternehmen ein Altenheim baut, aber anschließend 672 Baumängel festgestellt werden?                                                             Was nützt es, wenn ein Reisebus alle technischen Voraussetzungen erfüllt, der Fahrer aber einschläft und den Bus in den Graben fährt?

Oder haben Sie jemals erlebt, dass ein Automobilkonzern ein Auto feiert, nur weil es durch den TÜV gekommen ist? Nein, das neue Modell wird gefeiert!

Daher sage ich: Qualität in unserer Arbeit ist nicht, was man messen, zertifizieren oder zählen kann, sondern Qualität ist, worauf man zählen kann.
Es geht um Privatheit, Würde, Unabhängigkeit, Wahlfreiheit, Rechtssicherheit, Selbstbestimmung und soziale Teilhabe des Bewohners oder Patienten als Kunden.

Daher ist die Umsetzung der „Charta der Rechte pflege- und hilfsbedürftiger Menschen“ das beste Qualitäts-Management-System.

Doch leider sieht es so aus, als wäre auch die Pflegebranche gerade dabei, lebenszerstörende Systeme einzuführen, die schon viele Unternehmen der so genannten Freien Wirtschaft zu Fall gebracht haben, die ISO 9000 oder Total- Qualität-Management.

Das sind wohlklingende Namen, um Käfige und Särge zu benennen, die den Unternehmen und ihren Mitarbeitenden Lebenskraft entziehen und die Räume für Potenziale verschließen. Überall Regelungen und Richtlinien, die alle abrichten, damit niemand etwas anrichten oder ausrichten kann.
Das sind Konstrukte der Angst, nicht gut genug zu sein. Je perfekter das System funktioniert, desto mehr verlieren die Unternehmen und die Mitarbeitenden die Chance zu lernen und damit die Möglichkeit im Leben zu wachsen. Wie ein Krebsgeschwür wuchert so die Bürokratie immer weiter und nimmt  den Mitarbeitenden ihre Freude und ihre Motivation an ihrem schönen Beruf.
Daher halte ich den eingeschlagenen Weg des sogenannten Pflege-TÜV und der Pflegenoten für grundlegend falsch und habe mich gemeinsam mit Thomas Klie für ein Moratorium „Nein zu den Pflege-Noten“ und „Ja zu einer neuen Ordnung der Verantwortung in der Pflegequalität“ eingesetzt.

An die Träger und Führenden gerichtet:

Ein gewinnendes Qualitäts-Managementsystem setzt Transparenz, Beteiligungs- und Gestaltungsoptionen voraus, und praxisrelevant zu werden.
Qualitätsmanagement ist daher Change-Management, das nicht nur die Effektivität und Effizienz der Unternehmen verändert, sondern ebenso die Mitarbeiter- und Kundeninteressen und so einen Kulturwandel des Unternehmens bewirkt hinsichtlich der Leitbilder, Konzepte und Organisationsmodelle.

Die Lösung lautet: Vertrauen und Selbststeuerung im Rahmen verbindlicher, aber flexibler Strukturen und einer wertschätzenden Führungskultur.“


„Pflegequalität bedeutet nicht automatisch Lebensqualität. Obwohl beide zusammen hängen, können sie nicht als gleichbedeutend betrachtet werden. Im derzeitigen Prüfsystem werden Lebensqualität und soziale Teilhabe nicht erfasst. Und hieran ändert auch eine Neuausrichtung des Systems nichts.  Die Prüfergebnisse geben keinerlei Hinweis auf das, was für hochbetagte Mensch am wichtigsten ist:
Empathie – die Indianer haben hierfür einen wunderbaren Ausdruck geprägt:“ In den Mokassins des anderen gehen“ -, es geht um Zuwendung,, Mitmenschlichkeit, Eingebettet sein in das familiäre Leben, wertgeschätzt und für andere bedeutsam zu sein.“


 

„Autonomie, Eigenverantwortung, Selbstbestimmung, soziale Teilhabe, Rechtssicherheit und Respekt vor der Würde des älteren Menschen – dies sind die entscheidenden Kriterien für Lebensqualität – können durch Standardfragen und Standardantworten nicht abgebildet werden.“