Konzertierte Aktion Pflege: mehr Personal, mehr Geld, mehr Ausbildung

Die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte sollen sich schnell und spürbar verbessern. Das ist Ziel der Konzertierten Aktion Pflege, die unter der Leitung von Bundesfamilienministerin  Franziska Giffey, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn jetzt ihre Ergebnisse vorgelegt hat. Danach soll bundesweit nach Tarif bezahlt, ein am bedarfsorientierter Personalschlüssel eingeführt, die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte beschleunigt und die Zahl der Auszubildenden und Ausbildungseinrichtungen gesteigert werden.

Hierzu möchte ich am liebsten laut rufen: ENDLICH!

Doch die vorgesehenen Maßnahmen kommen meines Erachtens viel zu spät. Wir haben schon lange kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. 

Die Politiker tun jetzt so, als sei der Pflegenotstand plötzlich über uns hereingebrochen. Doch bereits vor 15 Jahren habe ich formuliert:
„Wenn die Politik in der Pflege weiterhin mit der ruhigen Hand agiert, dann müssen wir demnächst zu Pflegende exportieren, weil wir keine Pflegenden mehr haben.“

Alles, was jetzt umgesetzt werden soll, habe ich bereits als Geschäftsführer der CBT seit vielen vielen Jahren eingefordert, angefangen bereits vor 28 Jahren mit meinem Beitrag:
„Pflegenotstand die Situation wird bedrängend. Bericht die Pflege zusammen, weil die Personalschlüssel nicht ausreichen?“ Dieser Beitrag von 1991 endet mit meiner Forderung: „ES MUSS SOFORT GEHANDELT WERDEN!

In diesem Beitrag habe ich die tägliche personelle Unterbesetzung von circa 30 % in der Pflege nachgewiesen und öffentlich kommuniziert. Und dies ist der eigentliche Skandal. Es ist seitdem in dieser Hinsicht nichts geschehen. Die Pflegenden wurden von der Politik im Stich gelassen. Die 13 Tausend neuen Stellen sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Nötig sind mindestens 45 Tausend zusätzliche Mitarbeitende. Und wo sollen diese jetzt auf einmal herkommen?“

Wieder einmal haben unzählige Experten in Arbeitsgruppen zusammen gesessen und Ergebnisse produziert, die seit Jahrzehnten bekannt sind. Dieses Geld hätte man besser direkt in die Pflege stecken sollen. 

Die deutsche Politik sollte sich schämen, dass eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen seit Jahrzehnten so stiefmütterlich behandelt wird. Es wäre in all den Jahren so leicht gewesen, in jedem Heim diese personelle Lücke zu füllen. Dann wären nicht die heutigen Belastungen, Arbeitsverdichtungen, Burnouts, Flucht aus der Pflege, die permanente Unzufriedenheit und das Negativ-Image sowie die zahlreichen Mängel in der Pflege und Versorgung älterer Menschen mit Pflegebedarf oder Demenz entstanden.

Meine jahrelangen Hinweise und Appelle an Politik und Verbände sind immer wieder ins Leere gelaufen. Lesen Sie hierzu auch meine Beiträge vom 18. Mai 2018 „Herausforderung Fachkräftemangel in der Pflege! Gibt es gute Strategien? Und auch die Korrespondenz mit dem damaligen Gesundheitsminister Gröhe vom 8. Februar 2018.

Lesen Sie hier auch die Kommentare anderer Verbände zu den Beschlüssen der Konzertierten Aktion Pflege.